Welche Faktoren bestimmen, wie groß ein Fisch wird

Die Größe eines Fisches ist zum einen genetisch auf Art- und Individuenebene festgelegt. Beeinflusst wird die Endgröße dann von bestimmten Umweltfaktoren. Genetiker sprechen von Genotyp und Phänotyp.

Welche Umweltfaktoren eine Rolle spielen, ist nicht klar. Möglicherweise spielen folgende Faktoren eine Rolle:

  • Frischwasserzufuhr
  • Nitratgehalt
  • Hormone
  • Schwimmraum
  • Wasserströmung

Frischwasserzufuhr

In einem Versuch wurden normale Karpfen in kleinere Becken gesetzt und gut gefüttert. Durch die Becken wurde dauerhaft unbelastetes Frischwasser geleitet. Die Karpfen wurden so groß, dass sie praktisch aus den Becken heraus wuchsen.

Experimente mit stündlichem Wasserwechsel sollen für zahlreiche Fischarten nachgewiesen haben, dass die Frischwasserzufuhr für das Wachstum entscheidend ist.

Ein Zusammenhang mit der Nitratbelastung ist demnach nicht belegt. Es wird vermutet, dass ein noch nicht bekanntes Hormon oder Ähnliches abgesondert wird, das bei höherer organischer Belastung in kleineren Becken oder wegen seltenem Wasserwechsel als Wachstumshemmer wirkt.

Es soll auch experimentell bewiesen sein, dass ständige Wasserwechsel auch dann das Wachstum fördern, wenn zusätzlich Nitrat zugesetzt wird.

Evtl. ist durch häufige Frischwasserzufuhr der Keimdruck nicht so hoch, so dass die Fische weniger Energie für das Immunsystem benötigen und mehr Energie in das Wachstum investieren können.

Nitratgehalt

PublicDomainPictures / Pixabay

Corydoras paleatus wuchsen auch in kleinen Becken auf Größen von 6 Zentimeter und mehr, wenn die Nitratwerte sehr gering waren.

In vielen Aquarien sind die Nitratwerte relativ hoch mit etwa 25 bis 50 oder 60 mg/l. Möglicherweise ist Nitrat eine Wachstumsbremse und wirkt schon bei diesen Werten wachstumshemmend.
Nach der deutschen Trinkwasserverordnung sind maximal 50 mg/l Nitrat im Trinkwasser erlaubt, nach der schweizerischen Gewässerschutzverordnung nur 25 mg/l.

Wasser mit höheren Nitratwerten wird für die Ernährung von Säuglingen nicht empfohlen, weil die Gefahr einer Nitritbildung durch Bakterien in der Darmflora besteht.

Die unterschiedlichen Grenzwerte zeigen, dass umstritten ist, ab welcher Höhe eine mögliche Gefahr für die Gesundheit besteht.

Der Grenzwert 50 mg/l Nitrit im Leitungswasser ist wahrscheinlich ein Kompromiss, weil sonst viele Wasserversorger ihre Brunnen hätten aufgeben oder zumindest erheblich technisch nachrüsten müssen. Oder sie müssten mehr mit nitratarmen Wasser verschneiden.

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Damit Fische optimale Bedingungen haben, insbesondere für die Zucht, ist deshalb die Bekämpfung von Nitrat im Aquarienwasser möglicherweise genau so wichtig, wie der Einsatz von Umkehrosmoseanlagen etc. Der Nitratgehalt kann vor allem durch ein gutes Pflanzenwachstum verringert werden. Dabei können auch Pflanzen wie Efeutute, Monstera etc. hilfreich sein.

Nitrat kann aber nicht der einzige Faktor sein, der sich entscheidend und hemmend auf das Wachstum von Fischen auswirkt. Sonst wäre die Fischzucht in sogenannten Kreislaufanlagen schwer möglich. Es gibt Untersuchungen, in denen bei Nitratwerten, die für Aquarien absolut undiskutabel sind, keinerlei schädigende Einflüsse auf die Fische nachgewiesen werden konnten.

Möglicherweise ist Nitrat eher ein Indikator für die Verschmutzung des Wassers. Wenn viel Nitrat in einem Aquarium ist hat, liegen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch hohe Konzentrationen anderer Stoffe vor. Evtl. auch Stoffe die Aquarianer mit ihren normalen Mitteln nicht nachweisen können, z.B. Hormone, Pheromone etc. Dann zeigt Nitrat evtl. nur an, dass etwas nicht stimmt, ist aber selber vielleicht nicht der Auslöser der Probleme.

Hormone

Hormone sind Stoffe, die einem strikten Regelkreislauf, oft mehrfach abgesichert unterliegen. Entscheidend für die Hormonproduktion sind Abweichungen von einem Sollwert, der damit korrigiert werden soll. Was diese Abweichung auslöst hängt vom Hormon ab und ist deshalb sehr unterschiedlich. Ein Regelkreis bei dem die Beckengröße der Sollwertgeber ist, ist schwer vorstellbar. Vorstellbar sind höchstens von der Beckengröße abhängige Faktoren wie beispielsweise Stress durch zu hohen Besatz, Pheromone, schwankende oder zu stabile Wasserwerte oder vielleicht auch Nitrat.

Eine zumindest theoretische Möglichkeit wäre die Ausscheidung von Wuchshemmstoffen, um die Konkurrenz, also die Geschwister, klein zu halten. Das könnte mehrere Beobachtungen erklären. Alle Maßnahmen zur besseren Wasserhygiene verdünnen auch diese hypothetischen Stoffe, Wasserwechsel, bessere biologische Filterung, mehr Platz, UV-Lampe etc. Wenn die Konzentration dieser Stoffe kleiner ist, wachsen die Fische schneller.

Bei Pflanzen wurden solche Stoffe ebenfalls diskutiert.

Schwimmraum

Es wird immer wieder festgestellt, dass halbwüchsige Fische, z.B. Guppys, die von einem kleinen Aquarium in ein größeres Aquarium umgesetzt werden, einen erheblichen Wachstumsschub haben, gegenüber ihren Geschwistern, die im kleinen Aquarium bleiben.

Nach einem Bericht waren Copella cf. nattereri in einem Aquarium im kleinen Bereich hinter einem Mattenfilter mit einer Größe zwischen 10 und 25 Millimetern deutlich kleiner als jüngere und gleichaltrige Artgenossen im gleiche Aquarium, die mehr Schwimmraum zur Verfügung hatten, weil sie sich nicht in den engen Bereich hinter der Matte verirrt hatten.

Andererseits wuchsen Nicaraguabuntbarsche aus einer Brut in einem 60 Zentimeter Aquarium mit 1/3 Wasserwechseln an jedem zweiten Tag deutlich schneller, als die Geschwister in einem großen Aquarium mit einem 1/3 Wasserwechsel einmal in der Woche.

Nahrungskonkurrenz durch die Elterntiere bestand nicht, weil die Eltern vorher aus dem Aquarium genommen wurden. Nitrat war in beiden Aquarien nicht nachweisbar.

Dieser Versuch sollte zeigen, ob sich Fische an die Aquariengröße anpassen. Der Versuch deutet darauf hin, dass Fische kümmern, wenn sich nicht richtig wachsen. Dass dies aber nicht unbedingt nur mit mangelndem Schwimmraum zu tun hat, sondern dass auch andere Faktoren eine Rolle spielen.

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Wasserströmung

Nach einem Bericht wurden zwei 250 Liter Becken identisch eingerichtet und Guppys zur Zucht eingesetzt. Beide Becken wurden über Matte mit Luftheber gefiltert. In einem Becken war allerdings noch eine Strömungspumpe mit 1500l/h installiert. Beide Becken hatten keinen Bodengrund, jeweils 2 Bund Vallisnerien in Blumentöpfen, Leitungswasser. Wasserwechsel wird gleichzeitig und mit der gleichen Wassermenge durchgeführt.

Die Guppys im Strömungsbecken wurden bedeutend größer, als die Guppys im anderen Becken. Die Männchen im Strömungsbecken wurden ca. 5 Zentimeter, die Weibchen ca. 8 Zentimeter groß. Die Männchen im anderen Becken wurden ca. 3,6 Zentimeter, die Weibchen ca. 5 Zentimeter groß.

Die Guppys im Strömungsbecken wuchsen schneller und waren fitter. Sie zeigten keine Krankheitsanzeichen, obwohl der Besatz deutlich höher war, als 1 Zentimeter je Liter Wasser.\\ Im anderen Becken trat mehrmals Ichthyo auf. Nachdem auch dort eine 1000 Liter Pumpe installiert wurde, trat auch dort kein Ichtyo mehr auf. Zudem bekamen alle Guppys noch einen Wachstumsschub und wurden fast so groß wie die Guppys, die die ganze Zeit im Strömungsbecken waren.

Der ungünstigste von mehreren Faktoren bestimmt das Wachstum

Das Wachstum von Fischen kann nicht auf nur einen bestimmten Faktor zurück geführt werden. Es könnte Wasser gewechselt werden wie verrückt, trotzdem würden die Fische nicht wachsen, wenn sie nicht gefüttert werden.

Die Guppys hatten weniger Schwimmraum und weniger Futter. Dadurch blieben sie kleiner. Die Nicaraguabuntbarsche hatten weniger Schwimmraum, gleiches Futter, aber mehr Wasserwechsel. Dadurch wurden sie größer

Ähnlich wie bei den Pflanzen, bestimmt auch bei Fischen der schlechteste aller Faktoren das Wachstum.

Ein nicht unerheblicher Faktor ist auch die Gesellschaft. Das hat auch Auswirkungen auf den Schwimmraum, beinhaltet aber auch das Dominanzverhalten und die Konkurrenz untereinander.

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Letzte Aktualisierung am 11.09.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API