Cryptocorynen

Cryptocoryne wendtii Foto: Tanja Pirenz
Cryptocoryne wendtii Foto: Tanja Pirenz

Cryptocorynen sind in der Regel Schattenpflanzen, aber nicht besonders lichtempfindlich. Allerdings reagieren sie auf plötzliche, stärkere Veränderungen oft empfindlich. Bei veränderten Licht- oder Wasserwerten, Änderungen im Wasserwechselrythmus, manchmal sogar nach größeren Wasserwechseln, scheinen die Blätter rasend schnell zu verfaulen.

Dieses Verhalten wird Cryptocorynenfäule genannt. Es handelt sich dabei jedoch nicht um eine Krankheit, sondern die Cryptocorynen wechseln einfach ihre Blätter, ähnlich wie Laubbäume. Die Wurzeln bleiben dabei vollkommen unbeschädigt. In der Regel sehen die Pflanzen nach wenigen Wochen aus wie vorher.

Cryptocorynen sind empfindlich gegen jede Änderung in ihrem Umfeld und können darauf mit Blattwechsel reagieren.

Wenn die Wurzeln faulen, handelt es sich nicht um die Cryptocorynenfäule. In solchen Fällen fault wie bei anderen Pflanzenarten in der Regel der Bodengrund und muss gegen einen besseren Bodengrund ausgetauscht werden.

Cryptocorynen brauchen oft sehr lange, bis sie sich eingewöhnt haben. Es können 1 bis 2 Jahre vergehen, bis sie einen stabilen Bestand bilden, der nicht immer wieder zusammen bricht. In dieser Zeit tritt immer wieder die Cryptocorynenfäule auf, häufig aus nicht nachvollziehbaren Gründen.

Cryptocorynen vermehren sich, indem sie Ausläufer bilden.

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Cryptocoryne parva

Cryptocoryne wendtii braun Foto: Tanja Pirenz
Cryptocoryne wendtii braun Foto: Tanja Pirenz

Cryptocoryne parva vermehrt sich wie alle Cryptocorynen, indem sie Ausläufer bildet.

Es ist eine Frage der Zeit, wie schnell und wie viele Ausläufer sie bildet.

Da Cryptocoryne parva sehr langsam wächst, dauert es manchmal lange, bis Ausläufer gebildet werden.

 

 

Otocinclus auf brauner Cryptocoryne wendtii:

Cryptocorynenfäule

Cryptocoryne becketti
Cryptocoryne becketti Foto: Stefanie Prinz

Cryptocorynen sind in der Lage, in Windeseile die in den Blättern enthaltenen Nährstoffe in die Wurzelknollen zurückzuführen. Die Blätter scheinen regelrecht zu verfaulen. Innerhalb weniger Stunden oder Tage, können sich sämtliche Blätter auflösen.

Auch an natürlichen Standorten tritt dieses Verhalten auf. In Südostasien, wo sie beheimatet sind, tritt bei Monsunbeginn eine erhebliche Verdünnung des Salzgehaltes des Wassers ein. Kurze Zeit später schwellen die Bäche zu Flüssen an. Die Cryptocorynen schützen sich, indem sie die Angriffsfläche des Wassers auf ihre Blätter verringern, kommen dann aber wieder zurück, sobald der Salzgehalt wieder ansteigt.

Auch im Aquarium reagieren Cryptocorynen auf eine Änderung des Salzgehalts, nicht auf die absolute Höhe. Deshalb können Cryptocorynen, die einmal in einem Aquarium eine neue Heimat gefunden haben, innerhalb eines biotop-stabilen Beckens beruhigt umgepflanzt, werden, ohne dass ein Blatt abgeworfen wird.

Cryptocoryne wendtii
Cryptocoryne wendtii Foto: Norbert Heidbüchel

Allerdings führt im Aquarium nicht nur eine Änderung des Salzgehalts zur Cryptocorynenfäule, sondern im Grunde jede Veränderung kann die Fäule auslösen, Änderungen der Lichtfarbe, der Lichtstärke, der Wassertemperatur usw.

Bei empfindlichen Cryptocorynen muss ggf. auch der Wasserwechsel am besten täglich in kleine Menge erfolgen, wenn sie nicht mit Fäule reagieren sollen.

Möglicherweise kann die Zugabe von Eisen die Fäule verhindern, verlangsamen oder beenden. Darauf weisen Erfahrungen mit Fetrilon und Düngetabletten speziell für Cryptocorynen hin.

In der Regel wachsen schnell neue Blätter nach und die Pflanzen erholen sich wieder. Oft sieht man Ansätze von neuen Blättern schon, während alte Blätter sich noch auflösen.

Vermutungen über Crytocorynenfäule

Cryptocoryne wendtii
Cryptocoryne wendtii Foto: Norbert Heidbüchel

Vermutlich sind größere und ältere Blätter empfindlicher und faulen früher, als kleinere und jüngere Blätter. Für ganze Bestände gilt scheinbar das Gegenteil. Scheinbar sind ältere Bestände nicht so empfindlich, wie jüngere Bestände. Ältere Bestände verkraften Umgebungsveränderungen, bei denen jüngere Bestände bereits zusammen brechen. Wenn ein Bestand also unter Cryptocorynenfäule leidet, sind zuerst die größeren, älteren Blätter betroffen.

Sobald sich von der Unterseite der Blätter her betrachtet, durchscheinende Flecken bilden, dauert es nicht mehr lange, bis die Pflanze beginnt, an diesen Stellen Sauerstoffbläschen zu erzeugen, die wie eine feine Perlenschnur aufsteigen. Wenn dann nicht sehr schnell mit Fetrilon oder Düngetabletten für Cryptocorynen nachgeholfen wird, ist zumindest dieses Blatt verloren.

Normalerweise haben die Blätter eine seidig glänzende Oberfläche, wenn man sie im gerichteten Licht einer HQI-Lampe unter einem Winkel von ca. 45 Grad betrachtet. Wenn sie kurz vor dem Ausgasen stehen, werden die Oberfläche der Blätter über Nacht stumpf. Dann ist die Pflanze bereits dazu übergegangen, den Inhalt der Blätter „abzupumpen“.

Cryptocorynenfäule
Cryptocorynenfäule © Norber Hedibüchel

Wenn an offensichtlich von außen, z.B. durch Anknabbern von Fischen, beschädigten Blatträndern Sauerstoffbläschen wie Perlenschnüre aufsteigen, besteht in der Regel keine Gefahr. Normalerweise stirbt in solchen Fällen auch ohne Zusatzdüngung höchstens das beschädigte Blatt ab.

Eine Crytocorynenfäule kann mit 3 mg Formalin je Liter Aquarienwasser innerhalb von 24 Stunden erzeugt werden. Der Zerfallsprozess kann bei einem Leitwert von höchstens 100 µS auch durch eine Senkung des Leitwerts um mindestens 20% innerhalb von einer Stunde gezielt ausgelöst werden.

Eine beginnende Ausgasung von Sauerstoff kann in sehr weichem Wasser von höchstens 100 µS mit einer Menge von 2 ml Fetrilon auf 100 Liter bzw. einem Tütchen Fetrilon auf 1 Liter Aquarienwasser gestoppt werden. Bei höheren Leitwerten muss die Dosis evtl. erhöht werden.
Innerhalb der nächsten sechs Stunden erholt sich die große Mehrzahl der Blätter wieder. Es wird aber nicht gelingen, die durchscheinenden hellen Flecken, die sich unregelmäßig über die gesamte Blattoberfläche gebildet haben, wieder in die ursprüngliche Färbung zu versetzen. Die hellen Stellen sind von nun an diejenigen, die am ehesten von Lochfraß und Ausgasung bedroht sind. Vermutlich sind diese Stellen unheilbar zerstört.
Weil eisenhaltige Dünger wirken, ist es naheliegend, auf Eisenmangel oder Nährstoffmangel generell zu spekulieren. Eisen wird zur Photosynthese benötigt und wird zum Aufbau des Blattgrüns eingesetzt. Bei Eisenmangel werden die Blätter heller, die Farben sind nicht mehr so satt und kräftig. Das erklärt vielleicht ist die Beobachtung mit den Blättern „glänzend“ und „stumpf“. Bei Eisenmangel können auch die Blattnerven heller werden und hervortreten bis hin zu gelben Blättern. Bei totaler Eisenchlorose existiert kein Blattgrün mehr.

Hypothese 1: Fetrilon zerfällt beim Verdünnen in Wasser in Fe x 2 EDTA und Fe(OH)3. Letzteres ist fein suspendiert wie Puder. Dieser Zerfall beginnt schon in konzenztrierter Lösung und führt zu den bekannten Verfärbungen der Lösung. Möglicherweise reagiert dieser Puder mit den befallenen Stellen.

Zunächst entsteht eine bakterielle Wassertrübe. Dann greifen Exoenzyme der hungernden Bakterien. z. B. Proteasen die Oberfläche der Cryptocorynen-Blätter an.

Hypothese 2: Cryptocorynen bevorraten Eisen in ihren Blättern. Der Sauerstoff, der von den Blättern produziert wird, sollte aber soweit von dem Eisen gebunden werden, dass keine Ausgasung in molekularer Form geschehen kann. Ist zu wenig Eisen in den Blättern gebunden, kann somit an den Stellen mit den durchscheinenden hellen Flecken Sauerstoff ausgasen und die Zellstruktur zerstören.

Es ist aber nicht geklärt, ob die erhöhte Eisenzufuhr, oder ein anderer, mit der Eisenzufuhr verbundener Mechanismus die Crytocorynenfäule abmildert.
Eisenmangel ist oft ein Mehrfachmangel mehrer Spurenelemente. Das EDTA im Fetrilon holt auch andere ausgefallen Pflanzennährstoffe wieder zurück und macht sie kurzfristig für die Pflanzen wieder verfügbar. So kann nach einer Fetilondüngung oft auch ein Mangananstieg gemessen werden, obwohl im Fetrilon kein Mangan enthalten ist.

Das widerspricht sogar einer gängigen Theorie nach der die Eisendüngung einseitig Mangan verdrängt. Für Fetrilon scheint dies nicht zuzutreffen
Anscheinend mobilisiert das EDTA auch genügend Mangan wieder zurück, auch wenn dies nach Theorie nicht sein dürfte.

Leider kann die Crytocorynenfäule nicht durch einen ständig erhöhten Eisengehalt im Wasser verhindert werden. Es kann nur versucht werden, eine einsetzende Fäule durch zusätzliche Eisenzufuhr zu stoppen. Ist der Eisengehalt bereits hoch, scheint auch eine zusätzliche Eisenzufuhr nicht mehr zu helfen. Eine reine Folge von Eisenmangel scheint die Fäule nicht zu sein, denn sie tritt auch in Becken auf, in denen eigentlich genug Eisen vorhanden ist. Damit es noch komplizierter wird, scheint auch nicht jeder Eisendünger zu helfen. Es gibt Hinweise, dass Dünger mit zweiwertigen Eisen nicht helfen.

Cryptocorynen umsetzen

Red-Fire Zwerggarnele in Cryptocoryne
Red-Fire Zwerggarnele in Cryptocoryne Foto: Norbert Heidbüchel

Cryptocorynen von einem Standort eines Aquariums an einen anderen Standort im gleichen Aquarium mit ähnlichen Lichtverhältnissen umzusetzen, funktioniert oft sogar dann, wenn die Wurzeln beschädigt sind.

Wenn Cryptocorynen in ein vollkommen anderes Becken umgesetzt werden, besteht die Gefahr, dass alle Blätter abgeworfen werden. Die Pflanzen werden dadurch aber nicht zum Pflegefall. Vielmehr ist diese Reaktion wahrscheinlich durch die jahreszeitlichen Bedingungen der ursprünglichen Herkunftsländer genetisch so vorgegeben, um sich bei eintretender Regenzeit vor reißenden Fluten zu schützen.

Zwischen diesen beiden extremen, gibt es viele Zwischenstufen. Je mehr sich alter und neuer Standort ähnlich sind, um so größer sind die Chancen, dass das Umsetzen keinerlei Probleme bringt. Je deutlicher sich alter und neuer Standort unterscheiden, desto wahrscheinlicher kommt es zur Cryptocorynenfäule.

Zum Umsetzen werden die Pflanzen mit dem Finger untergraben und langsam aus dem Boden herausgehoben, damit die Wurzelstöcke möglichst wenig beschädigt werden. Dann werden Ableger vorsichtig abgetrennt und bei Bedarf die Wurzeln bis zu 2/3 gekürzt. Danach wird die Pflanze am neuen Standort eingesetzt, so dass die Wurzeln möglichst vollständig im Boden sind. Bei Arten, die auf das Kürzen der Wurzeln empfindlich regieren, kann man die Wurzeln vorsichtig aufwickeln und so neu einpflanzen.

Cryptocorynen und Vallisnerien

Cryptocoryne wendtii
Cryptocoryne wendtii Foto: Norbert Heidbüchel

Es wird immer wieder behauptet, dass Cryptocorynen und Vallisnerien nicht zusammen in einem Aquarium gehalten werden können. Nach einigen Angaben können auch Sagittarien nicht mit Cryptocorynen zusammen gehalten werden.

Gründe dafür sind nicht bekannt. Untersuchungen haben keine Abwehrstoffe finden können, die die eine Art gegen die andere Art abgibt.

Es gibt allerdings auch viele Berichte, nach denen Cryptocorynen und Vallisnerien, z.B. V. spiralis und C. wendtii, zusammen im gleichen Becken gehalten werden können.

Cryptocoryne wendtii
Cryptocoryne wendtii Foto: Norbert Heidbüchel

Die Pflanzenarten stellen vermutlich nur unterschiedliche Ansprüche. Die Vergesellschaftung kann erfolgreich sein, wenn die Bedingungen in der Mitte zwischen den Optimalbedingungen beider Pflanzen, aber noch im jeweiligen Toleranzbereich liegen. Sind die Bedingungen in Richtung einer Pflanze verschoben, dann wird sie der Gewinner sein und die andere Art aus dem Becken drängen.

Eine Cryptocoryne, die weiches Wasser bevorzugt könnte z.B. in hartem Wasser eingehen, während die Vallisnerie prächtig gedeiht, weil sie mit hartem Wasser keine Probleme hat und umgekehrt. In nicht zu weichem und nicht zu hartem Wasser könnten beide Arten dann evtl. problemlos zusammen gehalten werden.

Andere mögliche Ursachen sind Nährstoffkonkurrenz, unterschiedlich schnelle Nährstoffaufnahme, bevorzugte Lichtverhältnisse usw.

Cryptocorynen kaufen:

Cryptocorynen sind sowohl im lokalen Fachhandel wie auch im Internet erhält.

Wasserkelche: Cryptocorynen im Aquarium (Art für Art)
Maike Wilstermann-Hildebrand, Cord Hildebrand - Natur und Tier - Verlag - Kindle Ausgabe - Auflage Nr. 1 (27.02.2017)

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Letzte Aktualisierung am 11.09.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API