Wie die Farben entstehen

Die Farben der Fische kommen auf drei verschiedene Arten zu Stande:

  • durch chemische Färbung
  • durch physikalische Färbung
  • durch direkte Pigmentfärbung, die genau genommen auch eine chemische Färbung ist

Chemische Färbung

Die chemische Färbung wird vor allem durch Guaninkristalle erzeugt. Fische lagern Guanin-Kristalle in ihren Epidermiszellen, d.h. der Haut ein. Diese Kristalle reflektieren das Licht hell bzw. weißlich. Weißfische sind ein typisches Beispiel. Guanainkristalle sind gleichzeitig eine Art Art Ausscheidungsprodukt des Stickstoffstoffwechsels.

Physikalische Färbung

Je nach Lichteinfall wird das Licht auf den Schuppen und den eingelagerten Kristallen gebrochen. Dabei entstehen vor allem bläuliche Farbtöne. Kongosalmler sind ein gutes Beispiel.

Die chemischen und die physikalischen Färbungen können von den Fischen nicht aktiv gesteuert werden.

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Direkte Pigmentfärbung

Direkte Pigmente, sind vor allem Melanophoren, schwarze Farbzellen, und Carotinidoe, rotgelbe Farbpigmente. Mit dien direkten Pigmenten können Fische aktiv ihre Körperfarbe beeinflussen. Beide stehen mehr oder weniger indirekt unter hormonell/nervöser Kontrolle und die Ausdehnung der Pigmente in der Haut kann daher gesteuert werden.

Die 3 Farbarten erklären, warum Fische z.B. nachts oft einfach blass werden. Die Guaninkristalle werden nachts deutlich wahrnehmbar und die Fische sehen weißlich, eben blass, aus.

Viele Fischarten verändern ihre Farbe auch bei Stress. Viele Fische fühlen sich in einem Aquarium mit vielen Pflanzen, sicherem und ruhigem Umfeld, dunklem Bodengrund usw. wohler und zeigen dann besonders schöne Farben.

Wenn Fische im Verkaufsbecken blass oder stressgefärbt sind, kann es sinnvoll sein, die gewünschten Fische mehrere Tage nacheinander anzusehen. Normalerweise gewöhnen Fische sich in ein paar Tagen ein und verlieren ihre Stressfarben.

Einige Fische werden angeblich bei der Zucht oder sogar im Handel mit Hormongaben „aufpoliert“. Wenn solche Fische aus diesen Hormonbädern heraus kommen, werden sie blasser und bekommen ihre natürlichen Farben.

Die roten Anteile der Färbung können mit edelsüßem Rosenpaprika oder Karotin aufgefrischt werden, das man unter das Futter mischt.

Warum sind viele Fische knallbunt?

Roter Neon
© mikhailg – Fotolia.com

Weil es unter Wasser relativ dunkel ist, stellt sich die Frage, warum viele Fischarten knallbunt sind. Im Dunkeln sieht alles ja mehr oder weniger grau aus. Außerdem sind grelle Farben in der Natur normalerweise Warnfarben. Viele bunte Fischarten, z.B. Rote Neon, sind aber nicht gerade gefährlich.

Gerade leuchtendes Rot verschwindet unter Wasser als erste Farbe und die Fische sind unter ihresgleichen grau, dunkelgrau oder sogar schwarz. Der Grauwert ihrer Färbung dient ihnen in Wirklichkeit als Tarnung.

Diese Fische sind nicht einfach grau, weil es für die Fische vermutlich egal ist. Sie verwenden in ihrem Körper einfach ein verfügbares Pigment, um sich zu färben. Wenn es dann für die anderen Fische grau aussieht, dann ist es in Ordnung. Dass Menschen diese Farbe als knallrot oder quietschorange wahrnehmen, ist in diesem Zusammenhang belanglos. Wir nehmen die Welt mit unseren Sinnesorganen wahr und nicht die Welt so, wie sie tatsächlich ist. Das gilt auch für die Fische. Vielleicht ist rotes Pigment für die entsprechenden Fischarten einfacher herzustellen als graues Pigment. Evtl. ist es energetisch billiger.

Oft ist die auffällige Färbung dazu da, um die Körperumrisse aufzulösen und vom Kopf abzulenken, z.B. falsche Augenflecken. Ein Beispiel außerhalb der Fischwelt sind Tiger, die wegen ihrer Streifen im trockenen Gras fast unsichtbar sind.

Die Färbung dient oft auch dazu, sich gegenüber Artgenossen auszuweisen, und so Reviere abzustecken.

Kakadu Zwergbuntbarsch
© Carmen Brehm Kakadu Zwergbuntbarsch

Häufig müssen die Fischmännchen auch die Weibchen durch eine möglichst auffällige Prachtfärbung beeindrucken. Ein bekanntes Beispiel außerhalb der Fischwelt ist hierfür der Pfau.

Bei Schwarmfischen, wie den Neons, dient die Färbung dazu, um im geschlossenen Schwarm zu schimmern. Das ist ein Schwarmverhalten, um Raubfische zu irritieren. Es macht die Konzentration auf ein einzelnes Tier unmöglich. Im Meer gibt es Schwarmfische namens „Füsiliere“. Manche Arten sehen aus wie über dimensionale Neons.

Fische haben übrigens eine ganz andere Wahrnehmungswelt als wir. Wegen des Seitenlinienorgans ist es für einen Fisch fast aussichtslos, sich verstecken zu wollen. Andere Fische bemerken ihn bei der kleinsten Bewegung schon von Ferne. Und die Augen sind auch anders als bei Menschen. Beispielsweise können Goldfische sowohl Infrarot als auch Ultraviolett sehen. Sie nehmen zwei Farben mehr wahr als wir Menschen.

Das gilt aber nicht für alle Fischarten. Die Fähigkeit zum Sehen, muss für jede Fischart gesondert nachgewiesen werden. Hechte z.B. können nur ein eingeschränkt Farben sehen, wie Katzen und Hunde. Hechte können jedoch sehr gut Bewegungen sehen und auch die Nachtsicht ist extrem ausgeprägt.

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Letzte Aktualisierung am 18.05.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Entstehung von Farben und Färbungen von Fischen
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