Ist eine regelmäßige Bodenreinigung notwendig?

Auf diese Frage gibt es keine allgemeingültige Antwort. Dazu sind Aquarien zu verschiedenartig. Es gibt allerdings einige Hinweise, wann eine Bodenreinigung sinnvoll ist und wann nicht.

Was den Bodengrund verschmutzt

Otocinclus
Otocinclus Foto: Jürgen Colling

Auf dem Aquarienboden sammeln sich im Laufe der Zeit Futterreste, abgestorbene Pflanzenteile und Fischkot vor Allem in Form von Mulm an. Je nach Bodenart sammeln sich diese organischen Stoffe an der Bodenoberfläche an oder dringen tief in den Boden ein. In Sand mit einer Körnung weniger als 1 mm bleiben fast alle Partikel dieser Stoffe auf der Oberfläche liegen; je grober die Körnung ist, desto mehr und tiefer dringen die Partikel ein. Besonders in Kies kann viel Material eindringen, indem es durch die Hohlräume hindurchrieselt. Auch durch das Setzen von Pflanzen oder im Bodengrund wühlende Fische kann organisches Material in den Boden eindringen. Im Boden kann es bei mangelnder Zufuhr von Sauerstoff zu Fäulnisprozessen kommen. Fäulnisherde erkennt man an schwarzen Stellen im Boden, an Gasblasen die aus dem Boden steigen und vor allem am unangenehmen Geruch nach faulen Eiern.

Der Bodengrund kann als Filter wirken.

Der Bodengrund bietet wie ein Filter den Schadstoff abbauenden Bakterien eine geeignete Oberfläche zur Besiedlung. Im Vergleich zum Filter ist die Besiedlungsfläche im Boden sogar extrem groß. In der Regel fließt das Wasser nur langsam durch den Bodengrund, so dass der Boden auch als biologischer Filter wirkt. Im Vergleich dazu ist die Durchströmungsgeschwindigkeit herkömmlicher Topffilter so hoch, dass viele dieser Filter eine fast rein mechanische Filterung durchführen und nur eine geringe biologische Filterleistung haben. D. h. dass wie mit einem Sieb nur grobe Schmutzpartikel vom Filter aufgefangen werden, aber die im Wasser gelösten Schadstoffe nur in geringem Maße abgebaut werden. Auch in diesen Schnellfiltern bilden sich mit zunehmender Verschmutzung Zonen, in denen das Wasser langsamer fließt. Oft bilden sich andererseits Zonen, durch die das Wasser so schnell fließt, dass es in diesen Zonen biologisch überhaupt nicht gefiltert wird.

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Der Idealfall

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Otocinclus Foto: Jürgen Colling

Im Idealfall bilden sich im Bodengrund drei Schichten, die theoretisch sogar die gesamte Filterarbeit übernehmen, wenn das Aquarium vollständig nach ökologischen Gesichtspunkten eingerichtet ist. Die Höhe des Bodens muss dazu mindestens 7 bis 10 cm betragen.

In der obersten Schicht findet die Nitrifikation statt und in der mittleren Schicht die Denitrifikation. In der untersten Schicht wird der Boden mit Mineralien angereichert, die über die Veratmung von Sulfat durch Bakterien entstehen. Diese Mineralien dienen den Pflanzen als Nährstoff. In allen Schichten leben die gleichen Bakterienarten. Die Anzahl an Bakterien der verschiedenen Arten hängt von den vorhandenen Mengen an Sauerstoff und Nährstoffen in der jeweiligen Schicht ab. Nährstoffe sind dabei die Stoffwechselprodukte (Fischkot, Pflanzenreste, Mulm usw.) die in den Bodengrund eindringen. Die Produktivität der Schichten passt sich damit der Nährstofflage an.

In einem solchen Aquarium ist lediglich ein Schaumstofffilter zur Beseitigung grober Schmutzpartikel notwendig.

Ohne Bodengrund und ohne Filter fände die Nitrifikation im Aquarienwasser statt. Im Wasser frei schwimmende Bakterien fänden genug Nährstoffe, um sich im Wasser stark zu vermehren. Dies würde zu einer Trübung des Wassers führen. Im Prinzip sorgt ein Filter dafür, dass sich an einer Stelle im Aquarium so viele Bakterien ansiedeln, dass im freien Wasser nicht genug Nährstoffe für weitere Bakterien vorhanden sind und so eine Wassertrübung verhindert wird.

Die Realität

Da die meisten Aquarien nicht nach ökologischen Gesichtspunkten eingerichtet sind, sind sowohl ein zusätzlicher Filter zur Nitrifikation als auch regelmäßige Wasserwechsel zum Entfernen von Schadstoffen notwendig. Um annähernd ein Gleichgewicht zu erhalten, dürfte nur ein etwa fingerlanger Fisch auf je hundert Liter Wasser gehalten werden. Außerdem kann nicht sichergestellt werden, dass der Bodengrund so von Wasser durchströmt wird, dass alle Stoffwechselprodukte vollständig umgewandelt werden.

Aus diesem Grund stellt der Bodengrund einen zusätzlichen Filter im Aquarium dar, dessen Wirkung nicht über- aber auch nicht unterschätzt werden sollte.

Fazit zur Bodenreiningung

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Otocinclus Foto: Jürgen Colling

Der Bodengrund spielt eine wichtige Rolle für die biologischen Abbauprozesse im Aquarium. Der Mulm selbst kann aufgrund seiner Pufferwirkung ebenfalls zu einem stabilen Aquarienklima beitragen. Eine Störung des Bodengrunds und das Entfernen von Mulm können deshalb zu einem instabilen Gesamtsystem führen. In einem gut eingefahrenen und nicht zu stark besetzten Aquarium muss der Boden überhaupt nicht gereinigt werden. In einem Aquarium mit 240 Litern Inhalt und Kies als Bodengrund war nach 12 Jahren keine Hand voll Mulm im Boden, obwohl nie Mulm abgesaugt wurde.

Sammelt sich zu viel Mulm auf dem Boden oder im Boden an, ist eine Reinigung sinnvoll. Dabei besser häufiger und nur immer einen Teil absaugen als selten und viel, um das Aquarienklima nicht zu stark zu beeinträchtigen. Eine seltene, dafür aber gründliche Reinigung kann zu vermehrtem Algenwuchs und sogar zum Ausbruch von Krankheiten wie Ichthyo führen.

Die Erfahrung zeigt auch, dass eine zu häufige Bodenreinigung das Wachstum der Pflanzen beeinträchtigt. Dabei spielt vermutlich die Störung der Wurzeln und der fehlende Mulm als Erzeuger von Nährstoffen eine Rolle.

Die genauen Reinigungsintervalle hängen unter anderem von der Besatzdichte, der Fütterung und dem Pflanzenwuchs ab. Je mehr Kot, Futter- und Pflanzenreste anfallen, desto häufiger muss gereinigt werden. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Vorbeugung vor Fäulnis. Wenn sich im Boden schon Fäulnisherde gebildet haben, werden durch die Reinigung giftige Gase frei, die den Fischbestand gefährden. Als Anfangsregel kann zunächst bei jedem zweiten Wasserwechsel ca. ein Viertel des Mulms abgesaugt werden. Davon ausgehend wird die Häufigkeit und die abgesaugte Menge je nach Mulmanfall verändert. Es gibt Aquarien in denen der Boden wöchentlich gereinigt wird, aber auch Aquarien, in denen der Boden über viele Jahre nicht gereinigt wird. Dazwischen gibt es vermutlich jede mögliche Variante. Wichtig ist, dass das Gesamtsystem Aquarium möglichst stabil ist. Die Bodenreinigung ist dabei nur ein Gesichtspunkt unter mehreren anderen Punkten, wie Besatz, Besatzdichte, Fütterung etc.

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1 Kommentar

  1. Die folgende Diskussion ist eine beendete Diskussion aus der Newsgroup drta.

    Schimmel auf dem Aquariengrund?
    Hallo Aquarienfreunde,

    gerade komme ich von der Arbeit nach Hause (ich war über Nacht weg), kontrolliere natürlich als erstes das neu eingerichtete Aquarium und da trifft mich ja fast der Schlag. Auf dem Sand hat sich irgendwie Schimmel breit gemacht. Zumindest nenne ich es mal Schimmel: ein weißer flauschiger Belag auf dem Sand.

    Das Becken ist mit ungewaschenem Sand (Aquarienhandel und Baumarkt (feuergereinigter Quarzsand)) bis zu einer Höhe von ca. 8-9cm gefüllt. Als Filter habe ich einen HH-Mattenfilter. Das Becken wurde am 10.3. mit Wasser und mehreren Vallisnerien gefüllt. Seitdem gebe ich jeden Tag ein wenig Granulatfutter ins Becken, um den Filter zur Arbeit zu animieren. Das ist auch der einzige Hinweis auf einen Grund, der mir einfallen könnte: die Schimmelstellen scheinen mit den Stellen übereinzustimmen, wo das Futter auf den Bodengefallen ist.

    Die aktuellen Wasserwerte sind:

    Temp.: 26 Grad C
    Nitrit: <1mg
    Nitrat: ca. 25mg
    ph: 7,6
    GH: 20
    KH: 16

    Falls jemand Vorsellungen hat, was das sein könnte und wie ich es wieder weg bekomme, wäre ich sehr dankbar für jeden Hinweis.

    MfG Sascha

    Gammeliges Fischfutter wird das sein. Absaugen mit dem Schlauch dürfte da helfen, am besten noch ein wenig Kies mit absaugen, da Schimmel tief in den Untergrund wächst.
    Filter anfüttern ist gut, aber mit Futter würde ich es nciht unbedingt so übertreiben, daß es auf dem Boden liegenbleibt. Besser ist es da etwas Filterschlamm aus einem eingefahrenen Filter (Händler fragen ? ) zu nehmen.
    Wenn das Becken zwei Wochen steht kannst Du ruhig schon einmal einen kleinen Wels einsetzen, der wird das Wasser alleine nicht belasten und sorgt so auch für schnelleres Einfahren.

    Louis

    Hallo Sascha,

    Vielleicht habe ich Deine Angabe falsch interpretiert, aber hattest Du den Sand garnicht gewaschen, als Du den ins AQ gabst?
    Ich würde möglichst alles was ich ins AQ gebe, vorher zumindestens mit klaren Wasser spülen. Und den Sand auch möglichst keimfrei machen, wie z.B. Kochen, Backen mit heißem Wasserdampf (hatte ich hier mal gelesen)..... das zweite wäre wohl sogar noch effektiver, da Wasserdampf heißer ist, als kochendes Wasser und somit evtl. im Sand befindliche Sporen abgetötet werden, als nur bei 100°C.

    Granulat finde ich leicht heftig, da es zu lange braucht, um sich aufzulösen, vielleicht würde es auch etwas weniger als eine Messerspitze Mikrofutter auch tun. (Ich meine, solches für Jungtiere). Vielleicht liegt es ja wirklich daran, wie Du schon richtig erkannt hast, da dieser Pflaum nur über dem Sand zu finden ist, der über der Absturtzstelle des Granulates liegt. Was es genau ist, kann ich Dir nicht sagen, vielleicht eine Pilzgeschichte?

    Gruß
    Cher

    Hallo Sascha,

    das sind verschimmelte Futterreste.

    Wenn Du Dein neues Aquarium wirklich mit Futter und ohne Fische einfahren möchtest, dann solltest Du kleine Futtermengen in Wasser auflösen und dann in das AQ geben.

    Kennst Du keinen Aquarianer ? Oder frag Deinen Händler nach etwas Filterschlamm (aus einem Becken mit gesunden Fischen). Evtl. funktioniert's auch mit 'altem' AQ-Wasser. Schlamm und/oder 'Altwasser' in das neue AQ, wenig 'Futterlösung' (s.o.) beigeben, nach vier Tagen ein bis zwei Welse in das AQ. Dann die Werte kontrollieren.

    Dirk

    Ich würde eher empfehlen: zuerst die Werte kontrollieren, und dann dic Welse, falls alles schon so halbwegs ok ist.

    daPeda

    Hallo,

    das hatte ich bei mir auch einal im Aufzuchtbecken! Das scheint beim Granulatfutter zu passieren, wenn es auf den Boden sinkt und dort liegen bleibt, weil es nicht in den Filter gesaugt wird.

    Ich würde einfach Flockenfutter nehmen. Das ist leichter und wird vom Filter größtenteils weggesaugt und dann ist es da, wo es hin soll.

    Mit freundlichen Grüßen
    Andreas

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Letzte Aktualisierung am 12.07.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Bodenreinigung im Aquarium
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