Digene Saugwürmer

Digene Saugwürmer
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Symptome

Äußere Symptome

  • Beulen bzw. Knötchen auf oder unter der Hautoberfläche
  • Beulen bzw. Knötchen auf den Flossen
  • Augen werden trüb.
  • Blutunterlaufene Stellen bilden sich (*).

Verhalten

  • Fische scheuern sich (*).
  • Fische atmen heftig (*).
  • Fische schwimmen hektisch umher (*).

Innere Symptome

  • Beulen bzw. Knötchen auf Organen

Die mit (*) gekennzeichneten Symptome treten nur auf, während die Fische von Cercarien befallen werden und diese ihr Ziel suchen. Nach der Bildung der Metacercarien verschwinden diese Symptome wieder.

Fotos

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Fotos: Jörg / Shaky

Pundamilia nyererei mit schwarzen Flecken, die möglicherweise durch Metacercarien verursacht wurden



Fotos: Christoph

Skalar mit schwarzen Flecken an der Brustflosse. Die Flecken wurden möglicherweise durch Metacercarien verursacht. Zur gleichen Zeit hatte ein Skalar weiße Punkte auf der Haut. Diese fielen nach wenigen Tagen ab. Möglicherweise wurden auch diese Flecken von Metacercarien verursacht. Evtl. hatten die weißen Flecken auch eine bakterielle Ursache und es handelte sich um ein Abszess oder ähnliches.



Fotos: Moni Lasota

Rote Neons mit Metacercarien. Die Tiere wurden sehr blass, bekamen schwarze Punkte und sonderten sich von der Gruppe ab. Zur Behandlung wurde eine Knoblauchzehe gegen die vermuteten Würmer einige Tage in das Becken gesetzt und für 2 Tage die Temperatur auf 30° erhöht. Danach hatten sie ihre Farbe wieder und wirkten gesund.

Ursachen

Digene Saugwürmer werden kurz auch Trematoden genannt. Digene Trematoden wäre der richtigere Ausdruck, da es auch monogene Trematoden bzw. Saugwürmer gibt. Solange Trematoden nur vereinzelt vorkommen, sind sie für befallene Fische unschädlich. In großer Zahl können sie befallene Fische töten. In ihrem Entwicklungszyklus benötigen Trematoden einen oder mehrere Zwischenwirte. Dabei kann ein Fisch Zwischen- oder Endwirt sein. Als Endwirt bezeichnet man das Lebewesen, in dem die erwachsenen (geschlechtsreifen) Würmer leben. Zwischenwirte sind die Lebewesen, in dem die nicht erwachsenen Entwicklungsstadien leben. Ist der Fisch der Zwischenwirt, können Larven der Trematoden in der Haut, den Kiemen und den Organen befallener Fische auftreten. Da die Larve auch Metacercarie genannt wird, werden die Symptome der Krankheit auch Metacercarie(n) genannt. Sichtbar werden genaugenommen durch das Bindegewebe des Fisches eingekapselte Larven, die als weiße oder schwarze Punkte auf der Fischoberfläche zu erkennen sind.

Es gibt tausende von Trematodenarten, die als erwachsene Würmer in Fischen leben. Dazu kommen noch viele Arten, die Fische nur als Zwischenwirte benötigen und bei denen nur die Larvenstadien Fische befallen. Bis auf eine Familie von Trematoden besitzen alle Arten an ihrem Vorderende und auf der Bauchseite in der Körpermitte je einen Saugnapf. Der Saugnapf am Vorderende umschließt den Mund. Mit beiden Saugnäpfen saugt sich der Wurm am Fisch fest. Obwohl die Würmer Mund und Darm haben, können sie Nahrung auch durch die Haut aufnehmen. Nur die im Blut lebenden Blutwürmer (Sanguinicolidae) benötigen aufgrund ihrer Lebesweise im Blut keine Saugnäpfe.

Trematoden haben einen komplizierten Entwicklungszyklus, der von Art zu Art verschieden ist. Aufgrund dieses Entwicklungszyklusses und der zusätzlichen Spezialisierung der verschiedenen Trematodenarten auf jeweils bestimmte Zwischen- und Endwirte, kommen Trematoden im Aquarium nur selten vor und breiten sich dann in der Regel nicht aus.

Die Symptome können einem Befall mit bestimmten Sporozoen gleichen. Zur eindeutigen Diagnose wird mit dem Mikroskop geprüft, ob die Würmer zwei Saugmäuler besitzen.

Bei vielen Trematodenarten sind die erwachsenen Würmer Zwitter, d. h. sie haben sowohl weibliche, als auch männliche Geschlechtsorgane. Es gibt jedoch auch getrenntgeschlechtliche Arten und zahlreiche Übergangsformen.

Erwachsene Trematoden legen zahlreiche Eier, die mit dem Kot des jeweiligen Endwirtes in das Wasser gelangen. Lebt also die jeweilige Trematodenart als erwachsener (geschlechtsreifer) Wurm innerhalb von Fischen, gelangen die Eier mit dem Fischkot in das Wasser. Die Eier werden entweder von Weichtieren, z. B. Schnecken, gefressen oder es schlüpfen sogenannte Wimpernlarven (Flimmerlarven, Miracidien), die wiederum selbst aktiv in Weichtiere eindringen. Aus gefressenen Eiern entwickeln sich im Wirt ebenfalls Wimpernlarven. Jede Trematodenart bevorzugt dabei bestimmte Weichtiere als Zwischenwirt.

Aus den Wimpernlarven entwickeln sich im Zwischenwirt in der 1. Generation die (Mutter-)Sporocysten. Dies sind Keimschläuche, die fast keine Organe besitzen. Daraus entstehen als 2. Generation die sogenannten Redien (Tochtersporocysten). Diese besitzen Schlund, Darm, Geburtsöffnung und Zentralnervensystem. Aus den Redien entwickelt sich die 3. Generation, die Cercarien (Gabelschwanzlarven). Die Cercarien besitzen Schlund, Darm, einen zweigeteilten Ruderschwanz und zwei Saugnäpfe. Sie haben keine Geschlechtsorgane. Die Cercarien verlassen ihre Wirtstiere aktiv und schwimmen mit Hilfe ihres Ruderschwanzes frei im Wasser.

Die Cercarien dringen entweder aktiv in einen Fisch ein oder sie werden mit dem Futter vom Fisch aufgenommen. Sobald die Cercarie im Fisch ist, wird sie zur Metacercarie, indem sie den Ruderschwanz abwirft. Die Metacercarie wandert im Fisch in ihr Zielorgan. Einge Arten bleiben direkt unter den Schuppen. Dort sind sie als 0,5 bis 1 mm große schwarze oder weiße Punkte zu sehen.

Schuppenwürmer, Transversotrema patialense, schieben sich unter die Schuppen der Fische.

Eine Wurmstar genannte Art der Gattung Diplostomum wandert in die Augen und kann so zur Erblindung befallener Fische führen. Wieder andere Arten dringen durch die Haut weiter zu inneren Organen vor. Als Abwehrreaktion kapselt das befallene Organ die Metacercarie der meisten Trematodenarten mit Bindegewebe und Pigmenten ab.

Die sogenannte Schwarzfleckenkrankheit (Black Spot Disease) ist z. B. ein Befall mit Metacercarien der Gattung Posthodiplostonum. Die Krankheit tritt vor allem bei Wildfängen von südamerikanischen Salmlern und Chichliden auf. Die weiße oder gelbe Wurmlarve wird durch die Abwehrreaktion mit schwarzen Pigmenten umhüllt. Die Erkrankung breitet sich wegen fehlender Zwischenwirte im Aquarium nicht aus und ist bei schwachem Befall ungefährlich. Die geschlechtsreifen Würmer der Schwarzfleckenkrankheit leben in den inneren Organen von fischfressenden Vögeln, wie auch die erwachsenen Würmer des Wurmstars.

Der Erreger Clinostomum verursacht die Gelbfleckenkrankheit. Diese Erkrankung tritt bei Wildfängen, aber auch bei nachgezüchteten Panzerwelsen, Regenbogenfischen und Lebendgebärenden Zahnkarpfen auf. Wie der Name schon andeutet, sind die Knötchen aufgrund der umhüllenden Pigmente weiß bis gelb. Die geschlechtsreifen Würmer der Gelbfleckenkrankheit leben in Mund und Kehle von fischfressenden Vögeln.

Nur Cercarien der Blutwürmer und der Familie Azygiidae entwickeln sich in Fischen direkt zu erwachsenen Würmern. Alle anderen Arten entwickeln sich im Fisch zu Metacercarien. Als Metacercarien können die Larven lange überleben. Erst wenn sie von einem fischfressenden Lebewesen (Mensch, Raubfische, Vögel usw.) aufgenommen wird, entwickelt sich die Metacercarie weiter zum erwachsenen Wurm. Je nach Art befindet sich der Wurm dann im Darm, anderen Organen, der Muskulatur usw.

Geschlechtsreife Würmer können also nur von Fisch zu Fisch übertragen werden, wenn der zuerst befallene Fisch von einem zweiten Fisch gefressen wird und beide Fischarten für diese Trematodenart Endwirte sind.

Einzelne Metacercarien schädigen befallene Fische kaum und die Fische können lange mit den Metacercarien leben. Bei einem Massenbefall kann so viel Gewebe oder Muskulatur zerstört werden, dass befallene Fische geschwächt und sogar bewegungsunfähig werden. Der Befall der Augen kann zu trüben Linsen und zur Erblindung führen. Der Befall des Gehirns kann zu Gleichgewichtsstörungen und Lähmungen führen. Durch die Schwächungen werden die befallenen Fische anfällig gegen andere Erkrankungen, vor allem gegen bakterielle Infektionen. Häufig magern befallene Fische ab. Bei stark geschwächten Fischen kann das Immunssystem so stark beeinträchtigt sein, dass die Einkapselung geschwächt wird und die Metacercarie die Kapsel verlassen kann. Die nun frei im Fisch umherwandernden Metacercarien können tödliche Schäden verursachen.

Die Farbe bei hellen Flecken wird unterschiedlich angegeben. Einige Autoren sprechen von weißen, andere von silbrigen Flecken.

Behandlungsvorschläge

Da die meisten Metacercarien eingekapselt sind, können sie nur schwierig behandelt werden. In das Aquarienwasser gegebene Heilmittel dringen möglicherweise nicht durch die Kapsel durch und bleiben unwirksam. Es besteht auch die Gefahr, dass die Metacercarien in der Haut steckenbleiben. Sie sind dann als blasse oder schwarze Punkte sichtbar.

Bei schwach befallenen und nicht beeinträchtigten Fischen ist es deshalb sinnvoll, auf eine Behandlung mit Heilmitteln zu verzichten. Aufgrund des komplizierten Entwicklungszyklusses ist die Verbreitung im Aquarium sehr unwahrscheinlich. Gesunde Fische können bei artgerechten Haltungsbedingungen und artgerechter Ernährung jahrelang mit Metacercarien leben. Ihr Immunsystem ist stark genug, die Metacercarien dauerhaft einzukapseln. Oft sterben die Metacercarien auch noch einigen Monaten ab. Es können dann allerdings Hautveränderungen zurückbleiben. Diese sind jedoch in der Regel nicht gefährlich.

Bei stärker befallenen Fischen kann eine Behandlung mit Mitteln gegen Würmer versucht werden. Hin und wieder empfohlen wird das Mittel Praziquantel, das bei Tierärzten erhältlich ist. Praziquantel ist auch in einigen Heilmitteln aus dem Zoohandel enthalten, z. B. in Moneol. Bei der Behandlung durch Zugabe in das Aquarienwasser werden 5 – 10 Milligramm pro Liter Wasser empfohlen. Mit dieser Dosis werden die erkrankten Fische 24 Stunden lang behandelt. Fertig gemischte Heilmittel werden nach Anleitung verwendet. Es kann auch versucht werden, mit dem Wurmmittel Praziquantel vermischtes Futter zu geben. Die Dosis muss abhängig von der zu behandelnden Fischart beim Tierarzt erfragt werden.

Allerdings zersetzen sich durch Medikamente abgetötete Metacercarien innerhalb der Kapseln. Weil sie im Gewebe des Fisches sitzt und nicht im Darm, kann der Fisch die Metacercarie aber nicht ausscheiden. Dies kann bei den betroffenen Fischen zu einer Eiweißvergiftung führen.

Zur Vorbeugung sollte man offensichtlich befallene Fische im Handel nicht kaufen. Schnecken und andere Weichtiere aus fischbesetzten Gewässern sollten nicht in das Aquarium gesetzt werden.

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Letzte Aktualisierung am 7.12.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API