Was Eichenextrakt bewirken soll

Eichenextrakt wird verwendet um den pH-Wert im Aquarium zu senken. Die enthaltenen Säuren zerstören die Karbonathärte. Wird die Karbonathärte bei sonst gleichen Wasserwerten gesenkt, sinkt der pH-Wert ebenfalls.

Woraus Eichenextrakt besteht

MichaelGaida / Pixabay

Verschiedene Hersteller bieten unter verschiedenen Namen Produkte an, die Eichenextrakt enthalten sollen. Da die Inhaltsstoffe, wie leider in der Aquaristik üblich, in der Regel nicht aufgelistet werden, kann nicht geprüft werden, wie viel Extrakt aus echter Eichenrinde enthalten ist.

Aussagen wie „aus echter Eichenrinde“ oder „enthält 100 % Eichenrinde“ sind nicht sehr aussagekräftig.

„Aus Eichenrinde“ kann auch bedeuten „aus Eichenrinde und anderen Säuren“.

Aussagekräftiger wären Formulierungen wie „ausschließlich aus reiner Eichenrinde“ oder „zu 100 % aus reiner Eichenrinde“. Allerdings ist es auch schwierig aus 100 % reiner Eichenrinde ein flüssiges Produkt herzustellen. Ein solches Mittel wäre wohl eher ein Pulver aus gemahlener Eichenrinde.

Hauptbestandteil von Mitteln zur Senkung des pH-Werts sind in der Regel Salz-, Schwefel- oder Phosphorsäure. Statt teurer Mittel aus dem Zoohandel können preiswerter gleich die entsprechenden Säuren verwendet werden.

Phosphorsäure

Phosphorsäure enthält Phosphate, die von Algen als Nährstoff aufgenommen werden. Dem Vorteil der pH-Senkung steht also der Nachteil entgegen, dass zusätzliche Nährstoffe für Algen in das Aquarium gebracht werden. Mit einem Phosphattest kann festgestellt werden, ob der Eichenextrakt aus Phosphorsäure oder einer anderen Säure besteht.

Zitronensäure

Zitronensäure ist zur Senkung des pH-Werts nicht geeignet. Sie ist keine Mineralsäure sondern eine organische Säure, die das Wasser organisch belastet. Da Zitronensäure nur schwach sauer ist, wird relativ viel Säure benötigt.

Weil die organischen Verbindungen der Zitronensäure durch Bakterien zu Kohlendioxid und Wasser abgebaut werden, wird Sauerstoff im Aquarium verbraucht. Dies kann im Extremfall zu starkem Sauerstoffmangel und zu einer Bakterienblüte führen. Durch den Sauerstoffverbrauch steigt zudem die Karbonathärte wieder an.
Auch andere organische Säuren können schnell zu Bakterienblüten führen. Tests haben zudem gezeigt, dass der pH-Wert nur kurzzeitig sinkt und dann wieder steigt.

Schwefelsäure

4 %ige Schwefelsäure ist geeignet zur Senkung des pH-Werts. Sie belastet das Wasser nicht durch bakterielle Zersetzung und führt nicht zur Eutrophierung des Wassers. Schwefelsäure verursacht also keine Bakterienblüten. Die Ionenverhältnisse im Wasser werden nicht verändert.

Salzsäure

3,6 %ige Salzsäure ist geeignet zur Senkung des pH-Werts. Salzsäure besitzt allerdings keine Pufferwirkung. Die Pufferkapazität des vorhandenen Karbonathärte-Kohlendioxid-Puffers wird aufgrund der KH-Senkung durch Salzsäure gesenkt. Dadurch verschiebt sich das Konzentrationsverhältnis von Karbonathärte zu Kohlendioxid.
Dieses Konzentrationsverhältnis wiederum bestimmt den pH-Wert. Eine Halbierung der Karbonathärte senkt den pH-Wert um 0,3 Einheiten. Weil der Gehalt an Kohlendioxid hauptsächlich von den biologischen Komponenten und dem Gasaustausch mit der Luft bestimmt wird, pendelt sich der Kohlendioxidgehalt immer wieder auf den alten Wert ein.

Salzsäure und Schwefelsäure verändern das Verhältnis der Ionen im Wasser zueinander.

Bei der Verwendung starker Säuren, wie Schwefelsäure und Salzsäure, wird das im Wasser enthaltene Hydrogencarbonat HCO3 aus dem Wasser ausgetrieben und durch die jeweilige Säure ersetzt. Damit verändert sich das Verhältnis der Ionen untereinander, das so genannte Ionenspektrum.

Wichtiger Hinweis

Alle Säuren, Eichenextrakte usw. dürfen nur außerhalb des Aquariums zur Aufbereitung des Wassers verwendet werden. Dabei muss der pH-Wert überwacht werden. Es kann nicht einfach nach der Dosieranleitung vorgegangen werden. Es besteht sonst die Gefahr, dass das Wasser viel zu stark angesäuert wird. Besonders in weichem Wasser reichen einige Tropfen zu viel, um einen gefährlichen Säuresturz zu verursachen.

Wenn die Karbonathärte vollständig zerstört ist, sinkt der pH-Wert extrem schnell, selbst wenn nur wenig Säure in das Wasser gegeben wird. Gleichzeitig steigt der Leitwert schnell an.
Durch die Zerstörung der Karbonathärte wird Kohlendioxid freigesetzt. Dabei können für die Fische gefährlich hohe Mengen an Kohlendioxid entstehen. Filterbakterien können geschädigt werden. Versucht man das Kohlendioxid durch Oberflächenströmung oder Sauerstoffsteine auszutreiben, steigt der pH-Wert wieder an.

Wird das aufbereitete Wasser mit dem Altwasser im Aquarium gemischt, muss ebenfalls darauf geachtet werden, dass der pH-Wert des Mischwassers nicht plötzlich absackt. Wird Wasser mit sehr niedrigem pH-Wert mit Wasser mit sehr hohem Leitwert gemischt, treten die gleichen gefährlichen Effekte auf wie bei der Verwendung der Säure direkt im Aquarium.

Selbst hergestellter Eichenextrakt 1

Getrocknete und gemahlene Eichenrinde wird mit heißem Wasser übergossen. Dazu wird nicht die dicke Borke am Stamm verwendet. Die hier gemeinte Eichenrinde ist die dünne Rinde an ein- bzw. zweijährigen Ästen. Die Mischung muss 10 bis 15 Minuten ziehen. Dann wird die Flüssigkeit durch einen Kaffeefilter, Glaswolle oder Ähnliches filtriert. Da die Konzentration der Säure bei der eigenen Herstellung immer schwankt, müssen der pH-Wert und die Karbonathärte immer wieder gemessen werden.

Selbst hergestellter Eichenextrakt 2

Zur Herstellung von Eichenextrakt wird die Rinde der Stieleiche (Quercus robur) verwendet. Die Rinde enthält folgende Wirkstoffe: Tannine, Gallussäure, Bitterstoffe und kleine Mengen Pektine und Harze. Die Rinde wirkt adstringierend d. h. zusammenziehend, auf Gewebe, vermindert Absonderungen von Drüsen und Schleimhäuten, wirkt entzündungshemmend und leicht antiseptisch.
500 g Eichenrinde und 3 Liter Wasser werden auf 1/3 ihres Volumens eingekocht. Die noch heiße Mischung wird in sterile Flaschen gefüllt, gut verschlossen und im Kühlschrank aufbewahrt. Da nur sehr wenig von diesem Extrakt benötigt wird, reichen kleine Flaschen.

Der Extrakt reagiert stark sauer. Deshalb wird zur Einstellung der Dosis die Veränderung des pH-Werts verwendet. Eine Küvette wird bis zur 5 ml Markierung mit Aquarienwasser gefüllt. Die vorgeschriebene Menge pH-Testreagenz wird zugegeben und der pH-Wert abgelesen. In einer zweiten Küvette wird 1 ml Extrakt und 10 ml destilliertes Wasser gemischt. Von diesem verdünnten Extrakt werden mit einer Pipette so viele Tropfen dem Aquarienwasser in der ersten Küvette zugegeben, bis sich der pH-Wert um 0,5 niedriger einstellt. Die Anzahl benötigter Tropfen wird gezählt.

Je 1 Liter Aquarienwasser müssen dann 10 % der gezählten Tropfen zugegeben werden, um den pH-Wert um 0,05 zu verringern. Höhere Dosierungen sind möglich, sollten aber aufgrund der Nebenwirkungen, z. B. aufgrund der adstringierenden Wirkung auf die Kiemen, sehr vorsichtig zugegeben werden.

Alternativen

Soll der pH-Wert nur um einen geringen Betrag gesenkt werden und ist die Karbonathärte nicht zu hoch, bietet sich die Verwendung von Torf oder Erlenzäpfchen an. Die dabei freigesetzten Huminsäuren haben zusätzlich noch eine algenhemmende und antibakterielle Wirkung. Bei hoher Karbonathärte wird allerdings viel Torf verbraucht. Zu große Torfmengen können das Wasser organisch stark belasten. In solchen Fällen sollte das Wasser zuerst enthärtet werden, z. B. mit einer Osmoseanlage, und dann über Torf gefiltert werden.

Prinzipiell zerstört und verringert natürlich auch der Eichenextrakt die Karbonathärte und anschließend kann Torf verwendet werden.

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Letzte Aktualisierung am 19.07.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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