Leitwert

Was der Leitwert aussagt

Der Leitwert misst die elektrische Leitfähigkeit des Wassers. Die elektrische Leitfähigkeit von Wasser hängt vom Salzgehalt des Wassers ab, da nur die Ionen der Salze elektrischen Strom im Wasser leiten. Ionen unterschiedlicher Salze leiten Wasser unterschiedlich gut.

Die Leitfähigkeit gibt also Auskunft über die im Wasser gelösten Salze. Die Leitfähigkeit (LF) wird in µS/cm (Mikrosiemens/cm) gemessen. Der Salzgehalt wird folgendermaßen berechnet: LF x 0,75 = Gesamtsalzgehalt in mg/l. Sind die Karbonathärte (KH) und die Gesamthärte (GH) bekannt, so kann ermittelt werden, wie viele andere Salze zusätzlich im Wasser sind, z. B. Natrium, Chlorid und Nitrat.


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Astronotus ocellatus

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Wie der Leitwert gemessen wird

Zur Messung des Leitwerts gibt es spezielle Geräte, sogenannte Leitwertmessgeräte, z. B. von der Firma Greisinger.

Die Bedeutung des Leitwerts in der Aquaristik


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Astronotus ocellatus

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Urheber: André Karwath

In der Aquaristik wird der Leitwert zur Kontrolle von vollentsalztem Wasser, von Brack- und Meerwasser, sowie zur Kontrolle der Aufsalzung des Aquarienwassers genutzt. Die Pflanzen verbrauchen Salze, senken also die Leitfähigkeit, die Fütterung hingegen erhöht sie.
Ändert sich der Leitwert nicht, z. B. zwischen einer morgendlichen und einer abendlichen Messung, dann hat sich die Wasserqualität nicht stark verändert.

Indirekt kann mit einer Messung nach der Fütterung der Fische ermittelt werden, ob die Fische das Futter gefressen haben, oder ob sich das Futter im Wasser aufgelöst hat.
Dennoch kann auf spezielle Messungen von z. B. Nitrit, Nitrat und Phosphat nicht verzichtet werden. Aufgrund der komplexen Abläufe im Aquarium kann keine eindeutige Zuordnung erfolgen, durch welche Stoffe genau eventuelle Leitwertänderungen ausgelöst werden. Genauso wenig kann eindeutig gesagt werden, dass ein unveränderter Leitwert auf stabile Verhältnisse im Aquarium hindeutet. So leiten Ionen von Säure Strom wesentlich besser als Ionen von Phosphat. Eine stärkere Erhöhung des Phosphatwertes kann deshalb unbemerkt bleiben, wenn sich gleichzeitig der pH-Wert etwas ändert. Der Unterschied von 0 zu 5 mg/Liter Nitrit ergibt einen Unterschied von nur 12 µS/cm.
Eine Wandlung von Nitrit in Nitrat ergibt keinerlei Leitwertänderung. Obwohl aufgrund des sehr kleinen Leitwerts in sehr weichem Wasser Änderungen viel leichter auffallen, sind auch hier einige Auswirkungen auf den Leitwert nur sehr gering. So bleibt es praktisch unmerklich, wenn durch die Nitrifikation eine evtl. restliche Karbonathärte von 0,5° dKH zerstört wird.


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Astronotus ocellatus

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Einzelmessungen werden durch die Leitwertmessung also nicht ersetzt, sondern ergänzt. Nur die Gesamthärte im Leitungswasser kann relativ gut durch den Leitwert abgeschätzt werden. 1° dGH entspricht etwa 33 µS/cm. So lässt sich überprüfen, wie effektiv eine Osmoseanlage ist. Es kann festgestellt werden, ob z. B. 90 oder 95 % der Ionen entfernt werden. Für Aquarienwasser gilt das Verhältnis von GH und Leitwert nicht mehr. 1 g NaCL/Liter in Brackwasser entspricht z. B. bei einer Temperatur von 25° C 1800 µS/cm.

Wie wenige, konkrete Anhaltspunkte die Leitwertmessung gibt, zeigen die folgenden Aufstellungen.

Der Leitwert kann erhöht werden, durch:

  • Fütterung
  • Ausscheidungen der Fische
  • Nitrifikaition
  • Änderung des pH-Werts
  • Temperaturänderung
  • Wasseraufbereiter
  • Dünger
  • Mittel wie pH-Minus und pH-Plus
  • Torffilterung
  • Wolken vor dem Fenster eines besonnten Aquariums

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Astronotus ocellatus

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Der Leitwert kann verringert werden, durch:

  • Einige ideal dosierte Wasseraufbereiter
  • Temperaturänderung
  • Stark wachsende Wasserpflanzen
  • Wasserwechsel
  • Denitrifikation
  • Torffilterung
  • Wolken vor dem Fenster eines besonnten Aquariums

Gibt der Leitwert Hinweise auf notwendige Wasserwechsel?

Es wird immer die Summe aller Salze gemessen. Es kann nicht ermittelt werden, ob sich z. B. die Chloridmenge stark erhöht hat, die Menge an Mangan, Kalium, Eisen stark abnimmt und sich gleichzeitig am Nitrat- und Phosphat-Wert nichts ändert.

Verschiedene Wasser können den gleichen Leitwert haben und trotzdem eine völlig verschiedene Zusammensetzung aufweisen. So kann frisches Leitungswasser den gleichen Leitwert besitzen wie seit Wochen nicht gewechseltes Aquarienwasser. Deshalb können Leitwertänderungen darauf hinweisen, dass ein Wasserwechsel erforderlich ist; umgekehrt geschlossen werden kann jedoch nicht. Wenn der Leitwert stabil bleibt, bedeutet das nicht, dass kein Wasserwechsel erforderlich ist.


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Astronotus ocellatus

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Wann ist eine Messung des Leitwerts sinnvoll?

Fische steuern den osmotischen Druck in ihrem Körper durch Natrium- und Chlorid-Ionen über die so genannten Chloridzellen in ihren Kiemen. Bei Weichwasserfischen, die an geringe Leitwerte gewöhnt sind, ist eine Anpassung an unterschiedliche Natrium- und Chloridkonzentrationen im Wasser nur eingeschränkt möglich. Die Anpassungsfähigkeit verschiedener Fischarten ist dabei unterschiedlich. Die Konzentration der Salze ist für Weichwasserfische also sehr wichtig und die Überwachung mit Hilfe der Leitwertmessung sinnvoll. Gleiches gilt bei der Überwachung des Laichs empfindlicher Fischarten. Da Wasser nach dem Prinzip der Osmose immer in die Richtung niedrigerer Salzkonzentrationen fließt, kann der Fischlaich geschädigt werden, wenn sich die Salzkonzentration im Ei zu stark von der Salzkonzentration im Wasser unterscheidet.

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*Letzte Aktualisierung erfolgte am: 2018-11-19


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