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Anfaengerhilferuf (Algen und Schnecken...)
Hallo Andreas,
die anderen haben ja schon viel nützliches empfohlen. Von mir auch noch ein paar Empfehlungen, Anregungen, z.T.wiederholend, z.T. ergänzend.
Wasserwechsel:
Vorerst, solange die Nitritkonzentration noch so hoch ist, würde ich täglich 50% Wasser wechseln. Das Wasser bei diesen Mengen den Fischen zuliebe bitte vortemperieren, aber kein Warmwasser aus der Leitung oder einem Boiler verwenden (Gefahr der Kupfervergiftung). Z.B. einen 50l-Eimer (gibt's z.B. bei Obi, meiner trägt die Marke Rubbermaid und ist aus Polypropylen) mit kaltem Wasser füllen und 5l in einem Edelstahltopf aufgekochtes Kaltwasser dazuschütten. Sollten ca. 20°C ergeben (bei einer Kaltwassertemp. von 10°C).
Auch wenn Euer Leitungswasser 30mg/l Nitrat aufweist, solltest Du regelmäßig, am besten wöchentlich,mind. 25% wechseln. Die Fütterung bringt später einmal viel Stickstoff und Phosphat ins Wasser, die notwendige Pflanzendüngung weitere Nährstoffe. Pflanzen verbrauchen davon nur einen Teil. Der Rest bleibt im Wasser gelöst und muß per Wasserwechsel entfernt werden. Auch wenn der Nitratwert später einmal durch starkes Pflanzenwachstum zwischen den Wasserwechseln sinken sollte, _muß_ Wasser gewechselt werden, da Pflanzen nicht so gleichmäßig viele Nährstoffe verbrauchen, wie zugeführt werden. Die einen Nährstoffe, die wir gar nicht messen können, würden ohne Wasserwechsel überhand nehmen, andere würden vollständig aufgezehrt werden. Resultat: stagnierendes Pflanzenwachstum und vermehrtes Algenwachstum.Der Wasserwechsel ist meist die einzige Möglichkeit, kontrollierte Mengen an Pflanzendünger zugeben zu können. Das Frischwasser (Leitungswasser) enthält ja nicht viel, also bietet sich die Düngung hierbei an.
Blaualgen:
Hier hilft z.T. Absaugen beim Wasserwechsel. Die Cyanos werden aber wiederkommen. Bei korrekter Pflege aber wohl nur für eine gewisse Zeit. Korrekte Pflege soll heißen: regelmäßiger Wasserwechsel in angemessenem Umfang, gutes Pflanzenwachstum und nicht zu viele Fische, damit verbunden auch keine Überfütterung. Das Aq.Deiner Freundin ist ja noch recht jung. Da kommt es schon mal vor, daß es eine Algenplage zu Beginn gibt. Das Milieu muß sich erst ordnen, also Bakterien müssen sich in ausreichendem Maß bilden, damit Stickstoffverbindungen (Futter, Kot, Urin, abgestorbene Pflanzen) abgebaut werden können, Pflanzen müssen sich eingewöhnen etc.
Pflanzen:
Zum Einrichten sollte man vorwiegend schnellwachsende verwenden. Hast Du ja auch. Aber welche? U.a. sind folgende Pflanzen für den Anfang völlig ungeeignet:
- Rotala macranda (braucht sehr viel Licht)
- alle Alternantheras (braucht sehr viel Licht und wächst ziemlich langsam)
- alle Cryptocorynen (reagieren auf Änderungen durch Abwerfen der Blätter (zersetzen sich), wachsen z.T. sehr langsam)
- alle Anubien (langsam wachsend)
- Limnophila aquatica (braucht u.a. sehr viel Licht)
- Didiplis diandra (braucht sehr viel Licht und wächst langsam)
- und weitere, die mir jetzt nicht einfallen
Höchstens einen Topf oder Bund einer dieser Arten würde ich noch zum Ausprobieren von Anfang an verwenden,mehr nicht.
Sehr empfehlenswerte Stengelpflanzen, da schnellwüchsig und besonders anspruchslos:
- Ceratophyllum demersum, Hornkraut, sehr, sehr schnellwüchsig, Schwimmpflanze, bildet keine Wurzeln, gibt's meist nicht im Aquariumhandel sondern eher ab dem Frühjahr (frostfreie Zeit) in Gartencentern oder Baumärkten mit Teichabteilung.
- Limnophila heterophila und sessiliflora
- Rotala rotundfifolia
- Hygrophila polysperma
- Ludwigia repens und palustris und deren Kreuzungen
Diese Pflanzen wachsen sowohl in weichem (GH 3) als auch in hartem (GH 18) Wasser nach meinen Erfahrungen äußerst zuverlässig. Sie überstehen auch ein Absenken der Wasserhärte nahezu problemlos.Sicher gibt es noch mehr solcher robusten Pflanzen, kenne ich aber nicht.
Weitere empfehlenswerte und meist auch schnellwüchsige Pflanzen:
- alle Echinodoren, brauchen z.T. etwas Zeit zur Eingewöhnung, können mit der Zeit auch sehr hoch werden,also Vorsicht; Echinodorus tenellus z.B. legt aber gleich zügig los, braucht aber mehr Licht als andere Echinodoren: ausprobieren; kann bei guten Wuchsbedingungen zur Plage werden.
- Cabomba caroliniana (braucht ausreichend Licht)
- Microsorium pteropus (Javafarn); kommt mit fast allen Bedingungen zurecht, wächst aber nicht ganz so schnell,braucht nicht viel Licht, verträgt aber auch viel
- Hygrophila angustifolia, corymbosa und difformis, schnellwachsend aber nicht völlig unproblematisch, nicht zu dicht pflanzen, die unteren Blätter brauchen ausreichend Licht, sonst werden sie abgeworfen
- Vallisneria spiralis und americana, kommt mit weichem Wasser nicht ganz so gut zurecht, kann bei guten Wuchsbedingungen zur Plage werden.
Zu erwähnen wäre noch Lobelia cardinalis (einer der Stengler), wächst zwar sehr langsam, ist aber fast nicht umzubringen.
Zu Wasserpflanzen gibt es ein überaus empfehlenswertes Buch: Christel Kasselmann, "Aquarienpflanzen", Ulmer Verlag, ISBN 9 783800 174546, 504 Seiten, über 330 beschriebene Pflanzen in Wort und Bild, DM 89,-. Ist sein Geld auf jeden Fall wert.
Pflanzenwuchs:
Das A und O im Kampf gegen Algen ist ein guter Pflanzenwuchs. Den zu gewährleisten, braucht es neben ausreichend Licht nur ein paar einfache Regeln:
- Wasserwechsel: regelmäßig und in ausreichend hoher Menge, mind. 25% pro Woche. Sich mit der Zeit ansammelnde Nähr- und Schadstoffe werden entfernt, bei gleichzeitiger Düngung kommen neue in abgestimmter Zusammensetzung hinzu und füllen die verbrauchten auf.
- Dünger: viele schnellwachsende Pflanzen zehren an den Nährstoffen. Der Hauptnährstoff von Pflanzen ist Kohlenstoff in Form von CO2. Eine CO2 Düngung senkt als gewünschten Nebeneffekt den pH-Wert etwas ab und schützt so vor einer eventuellen Ammoniakvergiftung, die bei pH-Werten von ca. über 7,3 drohen kann, nicht muß. Weiterhin schützt eine CO2-Düngung vor der sogenannten Bikarbonatassimilation (biogene Entkalkung): viele Pflanzen sind in der Lage, sich den Kohlenstoff aus der Karbonathärte zu besorgen, wenn kein Kohlenstoff in Form von CO2 zur Verfügung steht. Dabei sinkt die KH, und der pH-Wert kann weit über 9 steigen. Pflanzen und Einrichtungsgegenstände werden dabei mit einer Schicht Kalk oder ähnlichem überzogen.
Weiterhin brauchen Pflanzen Stickstoff, Phosphor (beides durch die Fütterung), Kalium, Calcium, Magnesium, Mangan und in Spuren Bor, Molybdän, Zink, Nickel, Kobalt, Kupfer, etc. Die letzteren (Kalium bis etc.) führt man durch Wasserpflanzendünger und nur zum Teil durch Frischwasser zu. Empfehlenswerte Dünger sind (alphabetisch): Dennerle V30 und E15, Dupla PlantaMin, Kremsers selbstgemischter Dünger und Tropica Mastergrow. Alle anderen (Tetra, Sera, JBL etc.) taugen nicht viel.Beim Düngen gilt: viel hilft nicht viel. Und: auf die Mischung kommt es an, also auf das Verhältnis der jeweiligen Nährstoffmengen. Liebigsches Minimumgesetz (von Justus von Liebig, dem wir auch das Maggi zu verdanken (!?) haben): der Nährstoff, der sich im Minimum befindet, also im Verhältnis zu den anderen Nährstoffen am wenigsten vorhanden ist, beschränkt das Wachstum (sehr oft Kohlenstoff, oft Eisen, Kalium und Mangan, eher selten Stickstoff und Phosphor (beides Futter)), und: die Erhöhung der Konzentration eines einzigen oder einiger weniger Nährstoffe steigert nicht das Pflanzenwachstum. Es kann dagegen sogar schädigen (z.B. Verdrängen von Mangan durch zuviel Eisen). Von einem Mißverhältnis der Nährstoffe profitieren höchstens Algen, da diese sich an solche Verhältnisse anpassen können. Unsere höheren Wasserpflanzen stagnieren eher im Wachstum oder gehen ein, als sich groß umzustellen.
Ergo: Wasser wechslen.
- Bodengrund: der ist ein Eurem Aq. ja schon drin. Hoffentlich nicht zu grobkörnig, (0)1-2mm gelten landläufig bzw. in dieser Newsgroup als optimal, 3-5mm wie bei mir tun's auch noch gerade so (zumindest deutet das gute Pflanzenwachstum darauf hin), man muß halt ab und zu "etwas" Mulm absaugen, bloß nicht zu viel auf einmal. Gröberer Kies ist ungeeignet.
- Keine Chemie: also keine Algenkiller; Medikamente gegen Fischkrankheiten, wenn sie überhaupt nötig sind und nicht durch andere Maßnahmen ersetzt werden können, nur in separaten Becken anwenden. Keine Härte- oder pH senkende Mittel einsetzen (Eichenrindenextrakte, Schwarzwasserschnickschnack etc). Ausnahme: TR7 von Dennerle und ToruMin von Tetra. Dies sind meines Wissens die einzigen Extrakte, die keinerlei Mineralsäuren wie Salz- und Phosphorsäure enthalten. Sonstiges "Zeugs" wie Nitrat- und Phosphatenterner (Zeolith, Nitrex, Phosex etc.) meiden.
Kardinalfehler sind:
- Überbesatz, also zu viele Fische. Maximal 1cm Fisch pro Liter bei Fischen kleiner als 6cm, bei Fischen kleiner als 10cm mindestens 2 Liter pro cm rechnen, bis 15cm mind. 3 Liter. Beim Fischkauf immer die Länge der erwachsenen Fische einkalkulieren, also in Büchern nachlesen oder den Händler fragen. Diskus brauchen z.B. ca. 50l pro Stück. Die fressen viel weg.
- Chemie wurde schon erwähnt
- Enthärtungsanlagen (wenn überhaupt notwendig): nur Vollentsalzer oder Umkehrosmoseanlagen verwenden und entsprechend aufhärten, Teilentsalzer oder Neutraltauscher nur bei ausreichender Sachkunde verwenden, ansonsten meiden.
- häufiges Filterreinigen: das Filtermaterial erst dann leicht in abgelassenem Aquarienwasser ausdrücken bzw.ausschwenken, wenn die Filterleistung merklich nachläßt. Die im Filter siedelnden Bakterien sind empfindlich auf Temperatur- und pH-Wert-Schwankungen und wollen in Ruhe gelassen werden.
- Durchwühlen und Reinigen des Bodengrundes: bei feinkörnigem Bodengrund, 1-2mm Korngröße dringt kein Schmutz in tiefe Schichten des Bodengrundes ein.
Ist die Korngröße größer, alle paar Monate abschnittsweise eine Tiefenreinigung durchführen (nie alles auf einmal reinigen) oder alle paar Wochen oberflächlich absaugen.
- bei Problemen _Nicht_fragen in dieser Newsgroup: also immer fragen; kostet höchstens etwas Überwindung und Online-Zeit und bringt viel.
Gruß
Markus
PS: da Du so viel geschrieben hast, kriegst Du auch viel zurück. Anderen ergeht es da nicht so gut. Die erwähnten Empfehlungen und Anregungen sollen nicht als Vorschrift und einzig annehmbare Maßstäbe gelten. Was Du und Deine Freundin damit anstellt, bleibt Euch überlassen.
Algen nach Umstellung von HQL auf HQI
Hallo Lutz,
hatte ich auch, bei mir ging es einige Wochen nach der Umstellung von Leuchtstofflampenlicht auf HCI los. Vorher 4*58 Watt, nachher 5*70 Watt. Lange Fadenalgen und sehr dichte Polster von maximal 1cm langen Grünalgen auf den Pflanzenblättern, die sich sehr rasch ausbreiteten.
Inzwischen ist das Aquarium praktisch algenfrei, nachdem vorher eher zaghafte Gegenmaßnahmen völlig erfolglos geblieben sind. Da ich das zunehmend jämmerliche Bild meines veralgten Aquariums mit Pflanzenkümmerwuchs schließlich leid war und mir von der Lichtumstellung eigentlich etwas anderes versprochen hatte, bin ich dann, schon ziemlich entnervt :-( zur massiven Gegenwehr angetreten.
Gleichzeitige Gegenmaßnahmen: - mehr Otocinclus - Algensalmler - gezielte Arten-Fütterung, die Platys dabei ausgelassen (mussten sich kpl. auf Algenzupfen umstellen) - Apfelschnecken - eine wirklich große Menge von Wassernabel, Hornkraut, Eichenblatt, Wasserhyazinthe und mehrere Knollen Aponogeton undulatus besorgt - soviel wie möglich veralgtes Material entfernt
2-3 Wochen später ist das Aquarium jetzt nahezu algenfrei und zum ersten Mal habe ich endlich einen anständigen Pflanzenwuchs und dünge die 2-fache empfohlene Menge, ohne daß das den Algen zu nutzen scheint! Das Ergebnis hat mich schon etwas verblüfft, denn besonders das Honrkraut, das bei mir nie wachsen wollte und erst eine Kümmerform gebildet hat um daraufhin einzugehen, legt jetzt derart zu, daß ich wohl demnächst regelmäßig größere Menge entfernen muß, damit noch Schwimmraum bleibt :-)
Vor allem der Wassernabel scheint sehr hilfreich zu sein, ich habe ihn einfach 10cm dick auf die halbe Oberfläche ausgebreitet und dann regelmäßig sich veralgende Blätter weggeschnitten. Darunter das Hornkraut das immer noch genug Licht abbekommen hat und die andere Aquarienseite mit Eichenblatt vollgestopft,darüber die Wasserhyazinthen, die mittlerweile schon mehrmals geblüht haben. Und zwischendrin die Aponogeton,die Blätter und Blüten nachschieben, daß man fast beim Wachsen zusehen kann!
Ich hatte vorher auch schon mehrfach mit schnellwachsenden Pflanzen versucht, gegen die Algen vorzugehen, aber es hat nie wirklich etwas genutzt, Wasserpest und Hornkraut sind regelmäßig eingegangen! Offenbar macht es die Menge und es hilft nicht, mit den Algen zu kämpfen sondern man muß schon schlachtenmäßig gegen sie antreten ;-)
mfg, Thomas
Wasserwechsel und Algenbekämpfung
Hallo zusammen.
Ich habe mal eine Verständnisfrage: Zur Algenbekämpfung wird i.d.R. zu einem wöchentlichen großen Teilwasserwechsel geraten, um die dem AQ-Wasser die Nährstoffe zu entziehen. Gleichzeitig soll aber wieder Dünger zugegeben werden. Ist das nicht ein Widerspruch? Wenn ich doch wieder Dünger ins Wasser gebe,dann kann ich doch auch gleich das gedüngte Wasser im Becken lassen. (Unabhängig von der Reinigung des Bodengrundes mittels Saugglocke). Worin besteht der Unterschied?
Danke für eure Hilfe.
Schönes Wochenende Sönke
Mit dem Wasserwechsel entfernst du hauptsächlich die übers Futter eingeschleppten Stoffe Nitrat und Phosphat. Mit dem Pflanzendünger (den für Aquarien, nicht den für die Balkonpflanzen :-)) ) fügst du diese Stoffe aber nicht zu. Sie enthalten hauptsächlich Eisen und andere Mikronährstoffe die für den Pflanzenwuchs essentiel sind. D.h. ohne Düngen wachsen deine Pflanzen schlecht, die Algen aber trotzdem gut.
Dirk
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