Bodenheizung im Aquarium

Was eine Bodenheizung bewirken soll

Die Aufgabe eines Bodenheizers ist nicht das Aquarium zu heizen. Dazu wird ein Stabheizer verwendet. Die Bodenheizung soll im Boden eine Wasserströmung erzeugen. Ob eine Bodenheizung sinnvoll ist oder nicht, kann nur im Zusammenhang mit der Frage nach dem geeigneten Bodengrund geklärt werden.

These 1: Sand ohne Bodenheizung

Pflanzen benötigen Nährstoffe, die sie zum Teil über ihre Wurzeln aufnehmen. Nährstoffe bleiben in einem anaeroben, d. h. sauerstoffarmen Bodenklima, leicht verfügbar. Außerdem kann in diesem Bodenklima keine Fäulnis auftreten, weil keine biologischen Abfallstoffe bzw. Mulm einsickern können.

Ein solches anaerobes Bodenklima stellt sich in Sandboden ab etwa 3 Zentimeter Tiefe ein, ohne dass eine Bodenheizung notwendig ist. Auch feiner Kies unter 2 Millimeter ist geeignet, weil auch in diesen feinen Kies kaum Mulm eindringen kann. In gröberem Kies stellt sich ein solches Klima nicht ein. In Kies sickern biologische Abfallstoffe ein, die im Boden Fäulnisherde bilden. Um diese Fäulnisherde abzubauen, muss der Kies mit Wasser durchströmt werden. Diese Wasserbewegung wird durch eine Bodenheizung erzeugt. Die Bodenheizung entschärft deshalb nur die Probleme, die durch einen falschen Bodengrund verursacht werden.

Aquarien mit Kies, Bodenheizung und Schnellfiltern funktionieren nur, weil der Kies mit der Bodenheizung den Schnellfilter ersetzt. Im Kies findet die biologische Filterung statt, die eigentlich im Filter stattfinden sollte. Dieses System ist sehr störanfällig. Schon ein kräftiges Absaugen des Mulms kann zu Problemen führen. Deshalb kann Sand als Bodengrund nur eingesetzt werden, wenn der Schnellfilter durch einen langsameren Filter, z. B. den Hamburger Mattenfilter, ersetzt wird.

These 2: Kies mit starker Bodenheizung

Anaerobe Zonen im Bodengrund machen nicht nur Nährstoffe für Pflanzen verfügbar, sondern auch Phosphat. In einem Kiesboden stellen sich anaerobe Zonen nicht so leicht ein, wenn die Mulmschicht regelmäßig verjüngt wird. Phosphat bleibt dort im Boden. Eine starke Bodenheizung sorgt dafür, dass der Boden aerob bleibt.

Es wachsen nicht in jedem Aquarium mit Sand die Pflanzen gut oder besser als in anderen Aquarien. Bei Sandböden und Pflanzen treten sogar mehr Probleme auf als bei Kiesböden mit Pflanzen, Bodendünger und Bodenheizung. Ursache ist nicht die Filterleistung. Sonst könnten Aquarien mit Kies und Bodenheizung nicht funktionieren. Schwach besetzte Aquarien mit zu kleinem Filter und Sand dürften andererseits nie Probleme bereiten. Aber auch dort kann es zu Fäulnisbildung kommen. Beim Setzen neuer Pflanzen usw. kommen auch bei Sandboden biologische Abbaustoffe in den Bodengrund.

Wenn eine starke Bodenheizung verwendet wird, sollte die Kiesgröße 2 bis 5 Millimeter betragen. Eine starke Bodenheizung sollte 0,5 bis 1 Watt je 10 Liter Wasser haben.

These 3: Kies mit schwacher Bodenheizung

Mit einer starken Bodenheizung wird der Bodengrund zu warm. Die Durchströmung des Bodengrunds ist zu stark. Der Bodengrund hat dadurch eher ein aerobes, oxidierendes als ein anaerobes, pflanzenfreundliches Klima. Wenn der Boden deutlich wärmer ist als das freie Wasser, reagieren einige Pflanzen mit einem Rückgang des Wachstums, statt mit einer Verbesserung. Dazu trägt vermutlich bei, dass nicht das gewünschte anaerobe Klima entsteht, weil der Boden zu schnell durchströmt wird.

Die Bodenheizung soll nur eine sehr schwache Strömung im Bodengrund erzeugen. Der Boden wird dadurch zu einem großen, reduzierenden Filter.

Es sollte deshalb nur eine schwache Bodenheizung verwendet werden. Gleichzeitig wird feiner Kies mit etwa 1 bis 2 Millimeter Größe verwendet. In den Boden kann so kaum Mulm eindringen. Durch die ständige, langsame Umwälzung des Wassers im Bodengrund werden ständig Nährstoffe in en Boden getragen. Das Wasser im Bereich der Wurzeln verarmt nicht so schnell an Nährstoffen. Durch diese langsame Umwälzung des Wassers bildet der Bodengrund einen großen anoxischen Filter. Im Boden entwickelt sich ein anaerobes Klima, in dem sich Nährstoffe für die Pflanzen befinden. Im Boden sind anoxische Verhältnisse und damit ein negativer Redoxwert erwünscht. Est wenn der Redoxwert zu weit sinkt, unter -300 mV, kann im Boden Fäulnis einsetzen, bei der Schwefelwasserstoff entsteht. Der Redoxwert wird aber oberhalb dieser Grenze stabilisiert, weil ständig etwas Sauerstoff in den Boden kommt.

Eine schwache Bodenheizung sollte ca. 5 Watt je 100 Liter Wasser haben.

These 4: Bodenheizungen sind nicht notwendig

Einige Aquarianer berichten, dass der Pflanzenwuchs durch eine Bodenheizung verbessert wurde. Andere Erfahrungen zeigen keinen wesentlichen Unterschied zwischen Aquarien mit und ohne Bodenheizungen. Auch muss es selbst in gröberem Kies es ohne Bodenheizung nicht zwangsläufig zur Fäulnisbildung kommen. Selbst wenn kein Mulm abgesaugt wird.

In einem 240 Liter Aquarium, das nach 12 Jahren ausgeräumt wurde, war im Bodengrund kaum Mulm. Während der gesamten Standzeit trat keine Fäulnis auf. Die Pflanzen wuchsen sehr gut. Das Aquarium wurde anfangs mit einer 75 Watt starken Bodenheizung betrieben. In den letzten Jahren lag die Heizung zwar im Boden, war aber nicht in Betrieb. Das Aquarium hatte einen Innenfilter mit Schaumstoff.