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Marmorkrebse müssen Zwitter sein

Hi...

bisher konnte ich überall nur nachlesen, das es nicht einwandfrei geklärt ist wie sich Marmorkrebse fortpflanzen. Ich habe im Internet unterschiedliche Standpunkte nachglesen.

Die einen meinten das wären Zwitter, die ander Fraktion meinte, es könnte auch sein das Samenpakete aufgenommen und gespeichert werden und die jederzeit abrufbar wären.

Die zweite Variante kann eigendlich nicht sein. Ich habe seit einigen Wochen einen Marmorkrebs, der bei meinem Vorgänger seit dem Schlüpfen einzelnt gehalten worden ist und bei mir zu einer stattlichen Größe von etwa 8 cm herangewachsen ist und seitdem keinen anderen Krebs gesehen hat.

Schon gestern hat er sich die ganze Zeit an der Unterseite geputz und rannte sehr aufgeregt durch mein Filterbecken (100l. da ist er untergebracht wegen Vandalismus und nächtlicher Ruhestörung).

Heute nachmittag sah ich ihn dann mit eingezogenen Schwanz und vielen schwarzen Eiern an seiner Unterseite und hoffe nun mal das da auch was draus wird.

Wenn jetzt daraus kleine Krebse schlüpfen wäre die Sache mit den Samenpaketen eigendlich unmöglich..

Wie lange tragen die eigenlich die die Eier? Werden die Junden noch eine Zeit mit rumgetragen oder werden die gleich flügge? Kann ich Alttier drinlassen? Zur Zeit läuft der Krebs auf einer vollgemulmten großen blauen Matte. Habe ihn eine kleine Höhle aus einem Blumentopf angeboten, die er auch immer gerne aufsucht.

Pflanzen bekommt er jetzt von mir zugewiesen. Man glaubt es kaum, aber ein Krebs schafft es in etwa 8 Wochen ein 500 Liter Becken in Sachen Pflanzen komplett umzugestalten. Am liebsten ist ihn hierbei das Schwimmpflanzenspiel. Alles abkneifen was im Weg ist und an der Wasseroberfläche treiben lassen.

Aber ansonsten ein sehr interessantes Tierchen. Die Scheren haben schon ganz gut "kniff". Das mußte ich am eigenen Leib erfahren. Ewachsene Tiere sollte man nicht mehr unbedingt mit der bloßen Hand rausholen. Und Fangnetzte werden rigeros angegriffen.

Futter gibt es am liebsten zermatschte Schnecken, die im Erwachsenenalter auch mal gerne selber geknackt werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn ein Marmorkrebs das mal rausgefunden hat, wie man kleine Schnecken knackt, dann macht er es immer wieder. Größere Schnecken wie Rennschnecken und Apfelschnecken werden allerdings verschont.

Jens


Hai Jens...

> bisher konnte ich überall nur nachlesen, das es nicht einwandfrei geklärt'
> ist wie sich Marmorkrebse fortpflanzen. Ich habe im Internet
> unterschiedliche Standpunkte nachglesen.

Schau mal bei http://www.wirbellose.de

> Die einen meinten das wären Zwitter, die ander Fraktion meinte, es ...

Es wurden u.a. in der AGW schon Tiere aufgezogen die nie Kontakt mit anderen hatten. Auch sie bekamen nach der Reife Junge.

Das duerfte also geklaert sein.

M.V.


Hi Manfred,

> Es wurden u.a. in der AGW schon Tiere aufgezogen die nie
> Kontakt mit anderen hatten. Auch sie bekamen nach der Reife
> Junge.

Das sind dann aber keine Zwitter. (wie bei vielen Schnecken) Was da rauskommt sind Klone. Die Vermehrung kommt bei einigen Arten (nicht nur bei Krebsen, auch bei Fischen) auch ohne Männchen aus. Dabei sind die Nachkommen nur viel anfälliger gegen Krankheiten und Parasiten. (die genetische Vielfalt geht verloren, was den Plagegeistern das Leben erleichtert. Gleiches Problem wie bei Inzucht.)

Grüße, Peter


>Das sind dann aber keine Zwitter. (wie bei vielen Schnecken)
>Was da rauskommt sind Klone.
>Die Vermehrung kommt bei einigen Arten (nicht nur bei Krebsen, auch bei
>Fischen) auch ohne Männchen aus.

Bis hierher stimme ich zu.

>Dabei sind die Nachkommen nur viel anfälliger gegen Krankheiten und
>Parasiten. (die genetische Vielfalt geht verloren, was den Plagegeistern das
>Leben erleichtert. Gleiches Problem wie bei Inzucht.)

Hier habe ich Lehrgeld zahlen müssen (übrigens hier in drta - frage google). Beide Behauptungen sind in dieser allgemeinen Formulierung irreführend.

Bitte begründe genau die biologischen Mechanismen, warum ein Klon krankheitsanfälliger sein soll als sein Elter. Blattläuse beweisen seit das Gegenteil. Jeden Sommer vermehren sie sich massenhaft per Parthenogenese (=natürliches Klonen). Erst im Herbst treten männliche Tiere auf. Viele Pflanzen (Vallisnerien, Cryptocorynen) vermehren sich oft überwiegend vegetativ und bilden so große Bestände.

Bitte begründe genau die biologischen Mechanismen, warum ein Inzuchttier krankheitsanfälliger sein soll als seine Eltern. Definiere bitte einmal, was "Inzuchttiere" überhaupt sind. Warum wohl werden in der Zucht von Pflanzen und Tieren gezielt Eltern mit Kindern verpaart, wenn das doch so schädlich ist?

Ich denke, letztendlich entscheidet das Überleben der Population, ob geschlechtliche oder ungeschlechtliche Vermehrung günstiger sind. Die von dir genannten Vorurteile treffen nur unter bestimmten Rahmenbedingungen zu -und die hast du unterschlagen.

Ich bin gespannt auf deine Antwort!

Reinhardt


Hi Reinhardt,

> Hier habe ich Lehrgeld zahlen müssen (übrigens hier in drta -
> frage google). Beide Behauptungen sind in dieser allgemeinen
> Formulierung irreführend.

Stimmt.

> Bitte begründe genau die biologischen Mechanismen, warum ein Klon
> krankheitsanfälliger sein soll als sein Elter.

Das hab ich nicht behauptet. Der Klon erbt nur die evtll. vorhandene Lücke im Immunsystem 1:1 vom Elter,wogegen bei der sexuellen Vermehrung immer wieder Tiere dabeisind, die diese Lücke nicht haben.Die genetische Vielfalt macht es dadurch potenziellen Angreifern schwerer.

> Bitte begründe genau die biologischen Mechanismen, warum ein
> Inzuchttier krankheitsanfälliger sein soll als seine Eltern.

Im Grunde ähnlich. Der Mangel an genetischen Unterschieden wirkt sich m.E. ähnlich aus.

> Definiere bitte einmal, was "Inzuchttiere" überhaupt sind.

Als "Inzucht" bezeichnet man in der Regel die Fortpflanzung zwischen genetisch sehr nahestehenden Individuen.

> Warum wohl werden in der Zucht von Pflanzen und Tieren gezielt Eltern
> mit Kindern verpaart, wenn das doch so schädlich ist?

Um bestimmte Eigenschaften, die der Züchter für Vorteilhaft ansieht, gezielt herauszu"arbeiten". Mit all den negativen und positiven Seiten dieses Vorgehens. Sich geschlechtlich vortpflanzende Stämme mit ausreichend großem Genpool sind in der Natur meist in besserer Kondition anzutreffen als Stämme der gleichen Art, die sich durch Klonung vermehren. Frag mich nicht nach Literaturquellen, die hab ich mir in diesem Zusammenhang leider nicht gemerkt oder aufgeschrieben. ;( Wäre interessant, wenn sich jemand meldet, der mehr dazu sagen kann.

> Ich denke, letztendlich entscheidet das Überleben der Population,
> ob geschlechtliche oder ungeschlechtliche Vermehrung günstiger
> sind.

Das ist wohl auch einer der Gründe, warum es so selten reine Populationen ungeschlechtlicher Vermehrung gibt.

> Die von dir genannten Vorurteile treffen nur unter
> bestimmten Rahmenbedingungen zu - und die hast du unterschlagen.

Da das Ganze wohl noch nicht weitgehend genug erforscht ist, kann man wohl kaum allgemeingültige Aussagen hierzu treffen. :)

Grüße, Peter


Hallo Peter,

> Als "Inzucht" bezeichnet man in der Regel die Fortpflanzung zwischen
> genetisch sehr nahestehenden Individuen.

Und was ist dann Linienzucht? Fakt ist, daß durch Inzucht bzw Linienzucht die Gefahr, der genetischen Degeneration höher ist. Die Wahrscheinlichkeit, daß ungewünschte bzw krankhafte Effekte auftreten sind (bedeutend) höher. Ein anders Beispiel wo die Auswirkungen von Linienzucht auch zu sehen sind: Pferde und da Hufhärte. Mustang haben bedeutend härte Hufe als die Pferde, die man in den Ställen der Reitclubs findet.

Bis bald, Christian


Hallo Peter,

Naja, dann meld ich mich mal - ist immerhin mein tägliches Brot :-)))

Auch wenn du das wesentlichste zur Inzuchtproblematik schon gesagt hast vielleicht noch ein paar grundlegende Erklärungen:

Gene treten bei Einzelindividuen immer paarweise auf, jeweils ein Gen eines Genpaares stammt vom Papa, das andere von der Mama. Jedes Merkmal wird durch ein oder mehrere Genpaare beeinflusst. Die beiden Gene eines Genpaares können gleich sein, dann spricht man von homozygotem Genotyp, und sie können unterschiedlich sein, dann spricht man von heterozygotem Genotyp. Dazu kommt, dass Gene dominante oder rezessive Genwirkungen haben können.Im homozygoten Genotyp entspricht das beeinflusste Merkmal der Wirkung des jeweiligen Genpaares, im heterozygoten Genotyp setzt sich die Wirkung des dominanten Gens durch.

Jetzt muss man noch wissen, das die Wirkung von Genen darin besteht, dass sie für Proteine codieren, die als Strukturproteine für den Aufbau und als Enzyme bzw. Hormone für den Stoffwechsel eines Individuums verantwortlich sind.

Rezessive Gene entstehen durch Mutationen (Veränderungen der DNA) und haben gegenüber dem dominanten Ursprungsgen eingeschränkte oder gar keine Wirkung, d.h. sie codieren Proteine, die ihre Aufgabe nicht oder nur unvollständig erfüllen. Solche rezessiven Defektgene sind im heterozygoten Genotyp primär unproblematisch, ihre Defektwirkung wird ja durch die Wirkung des dominanten Normalgens überdeckt. Wenn sie aber in doppelter Dosis, also im homozygoten Genotyp auftreten, kommt ihre Defektwirkung tatsächlich zum Tragen. Das kann dann, je nach Funktion des betreffenden Genes für das betroffene Tier zur mehr oder weniger starken Ausfallserscheinungen führen - das Tier ist mit einem Erbfehler belastet.

Durch Inzucht (Paarung von verwandten Tieren) kommt es in erster Linie zu einer Erhöhung der homozygoten Genotypen innerhalb einer Population bzw. innerhalb eines Organismus. Dadurch können einerseits solche Gene homozygot werden, die erwünschte Merkmale im Sinne des Zuchtzieles codieren - das ist auch der Grund, warum man Inzucht gezielt einsetzt - allerdings macht das nur Sinn, wenn gleichzeitig auch auf die entsprechenden Merkmale selektiert wird. Aber es können auch Defektgene homozygot werden und damit kommt es in Inzuchtpopulationen häufiger zum Auftreten von Erbfehlern. Natürlich können nur solche Defektgene homozygot werden, die in der Population auch vorhanden sind, deshalb hat Inzucht in verschiedenen Populationen sehr unterschiedliche Auswirkungen.

Ein weiterer Aspekt der Inzucht ist die Einschränkung der genetischen Vielfalt durch die höhere Homozygotie. Dadurch sinkt das Anpaasungsvermögen der Population bzw. auch der Einzelindividuen, sie werden anfälliger gegen Umwelteinflüsse und damit generell krankheitsanfälliger. Auch Fruchtbarkeit und Lebenserwartung sinken. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Inzuchtdepression.

Genetische Vielfalt ist übrigens insgesamt ein ganz wesentlicher Punkt im Überleben der Arten. Nur Arten,die ausreichende genetische Varianz haben, die sozusagen für alle möglichen Fälle von Umweltveränderungen zumindest einzelne Tiere enthalten, die für diese Bedingungen die ideale genetische Ausstattung besitzen, haben langfristig Überlebenschancen. Das Geheimnis des langfristigen Überlebens eienr Spezies besteht somit in der Erhaltung bzw. Vergrößerung der genetischen Vielfalt. Und das ist auch der große Vorteil der geschlechtlichen Vermehrung. Bei ungeschlechtlicher Vermehrung ist die einzige Chance zur Vergrößerung der genetischen Vielfalt die Mutation, d.h. die direkte Veränderung der genetischen Information. Bei der geschlechtlichen Vermehrung gibt es eine weitere Möglichkeit, die genetische Vielfalt zu vergrößern und zwar durch den Austausch und damit die Neukombination väterlicher und mütterlicher Genabschnitte im Rahmen der Meiose (Reifeteilung der Geschlechtszellen). In jeder Ei bzw. Samenzelle ist dadurch die genetische Information in anderer Weise kombiniert. Das ermöglicht bereits innerhalb der Nachkommen eines einzigen Tieres eine unglaubliche genetische Vielfalt.

> Da das Ganze wohl noch nicht weitgehend genug erforscht ist, kann man
> wohl kaum allgemeingültige Aussagen hierzu treffen. :)

Naja, immerhin haben Generationen von Genetikern und Biologen sich in unterschiedlichstem Kontext mit diesem Fragestellungen beschäftigt. Gerade heutezutage ist die Erforschung der "Genetic diversity" ein ganz wichtiges und umfangreiches Spezialgebiet, dem mit modernsten molekulargenetischen Methoden zuleibe gerückt wird.

Hoffe, dass damit alle Klarheiten beseitigt sind :-))
.........bin aber zu weiteren Klarstellungen gerne bereit.

Herzliche Grüße
Irene


Hi Irene,

Du hast mit der Betreffänderung recht. Ist sonst nichtmehr auffindbar.

[sehr ausführliche Erklärung gesnippt]

> Hoffe, dass damit alle Klarheiten beseitigt sind :-)) .........bin
> aber zu weiteren Klarstellungen gerne bereit.

Danke für den Beitrag. Populationsbedrohende Probleme treten also nur auf, wenn z.B. der passende Parasit für den passenden Gendefekt auftritt.

Grüße, Peter


Hallo Peter,

> Populationsbedrohende Probleme treten also nur auf, wenn z.B. der
> passende Parasit für den passenden Gendefekt auftritt.

So in etwa. Es gibt dazu ganz interessante Beispiele. z.B. Sichelzellänämie und Malariaresistenz beim Menschen. Das Gen für Sichelzellänämie führt dazu, dass die roten Blutkörperchen weniger Sauerstoff aufnehmen können. In homozygoter Form ist dieses Gen ein Letalgen, d.h. alle davon betroffenen sterben.Das homologe "gesunde" Gen wiederum führt in homozygoter Form dazu, dass die betroffenen Menschen sehr anfällig gegenüber Malaria sind. In Gebieten, in denen Malaria endemisch ist, überleben daher nur Menschen, die sowohl das gesunde als auch das Defektgen tragen. Das führt allerdings dazu, dass das Defektgen in recht hoher Frequenz in der Population erhalten bleibt und daher auch recht viele Menschen an der Sichelzellanämie sterben. In Nichtmalariagebieten überleben auch diejenigen, die das gesunde Gen in homozygoter Form tragen. In der Folge verschwindet das Defektgen ?durch natürliche Selektion aus der Population. Dieses Beispiel zeigt sehr schön die komplexen Interaktionen zwischen Genotyp und Umwelt. Es zeigt aber auch, dass die Folgen von Homozygotie und Heterozygotie nicht allgemein negativ bzw. positiv sind, sondern immer unter Berücksichtigung des gesamten ökologischen Kontext gesehen werden müssen.

Herzliche Grüße
Irene


Hallo Irene:

> Hoffe, dass damit alle Klarheiten beseitigt sind :-))
> .........bin aber zu weiteren Klarstellungen gerne bereit.

Eine solche Inzuchtdiskussion hatten wir hier auch auf dem letzten Vereinsabend mit entsprechend gegensätzluchen Standpunkten. Eine wichtige Rolle bei der Frage, ob Inzucht zu Degeneration führt oder nicht,dürfte doch auch das Ausleseverfahren des Züchters sein? Viele Züchter versuchen ja, möglichst alle Nachwuchstiere groß zu bekommen und falls Selektion stattfindet, dann ausschließlich nach optischen Gesichtspunkten. Auf die Weise können doch rezessive Defektgene sehr viel schneller zum Tragen kommmen als bei "natürlicher" Selektion und nach kurzer Zeit hat der gesamte Stamm diesen Erbfehler. Wie sieht es jetzt aber aus,wenn man andere Selektionskriterien ansetzt, also z.B. die Brut im Gesellschafts- oder Artbecken (also mit den Eltern und potentiellen Freßfeinden) hochkommen läßt? Tiere, welche zum tragen kommende Gendefekte zeigen,würden dort gar nicht erst erwachsen werden und somit dürften sich innerhalb recht kurzer Zeit dieser Erbfehler doch ausmendeln? Meine Schwarzbarsche stammen nämlich nur von einer ganz winzigen Gruppe ab, die ein Vereinskollege vor über 30 Jahren mal mitgebracht hat (der Orginal-Biotop in Florida existiert bereits gar nicht mehr) und es wurden da nachweislich (!) niemals fremde Tiere eingekreuzt. Irgendwelche Defekte sind aber nicht erkennbar. Mit den Tieren wurde aber auch zu keiner Zeit eine "Massenzucht" betrieben, sondern es wurde immer nur das Erwachsen, was sich im Becken der Eltern behaupten (insbesondere gegen die älteren Geschwister, welche ja den Jungen im Gegensatz zu den Eltern stark nachstellen) konnten.

Gruß Sieglinde


Hallo Sieglinde,

Genau das ist der Punkt. Inzucht als Zuchtverfahren macht nur bei gleichzeitiger strenger Selektion Sinn. Und es ist genauso wie Du sagst. Wenn die Selektionskriterien rein optischer Natur sind und alles mit Krampf hochgepäppelt wird, dann häufen sich die genetischen Defekte an. Wenn die Selektionskriterien aber in etwa den natürlichen Selektionsbedingungen entsprechen, wenn also alles was in seiner Vitalität und Fortpflanzungsfähigkeit eingeschränkt ist auch wirklich nicht zur Fortpflanzung kommt, dann werden sich jene Gene anhäufen, die positive Merkmale im Sinne von Selbsterhaltung und Arterhaltung bestimmen. Es gibt aus der Haustierzucht eine Reihe von Beispielen, dass auch extreme Inzuchtpopulationen langfristig überleben können. So stammt z.B. der heutige Goldhamster von einer einzigen Goldhamsterfamilie (eine Mutter mit ihrem Wurf) ab, die im Jahr 1900 in der syrischen Wüste ausgegraben wurden. Oder das arabische Vollblutpferd, das seit mehr als 2000 Jahren rein gezüchtet worden ist und zumindest in den Ursprungsländern auch heute noch sehr strengen natürlichen Selektionsbedingungen ausgesetzt ist.

Die negative Seite kann man bei den meisten Hundepopulationen sehen. Dort wird fast ausschließlich nach optischen Gesichtspunkten selektiert, genetische Defekte werden primär fast immer ignoriert, aufgezogen wird alles was sich irgendwie aufziehen läßt und hier ist es heute wirklich schon so weit, dass es kaum mehr eine Rasse gibt, die nicht in mehr oder weniger starkem Ausmaß mit einem oder (meistens) mehreren genetischen Defekten belastet ist.

Ein Punkt kommt natürlich noch dazu. Und ich denke das ist auch bei Deinen Schwarzbarschen (wahrscheinlich ganz ähnlich wie beim Goldhamster) der Fall. Erbfehler entstehen ja nicht durch Inzucht, die rezessiven Gene treten durch Inzucht häufiger in homozygoter Form auf. Wenn aber schon primär keine Defektgene vorhanden sind, dann können auch keine homozygot werden. Das inzuchtbedingte Auftreten von Erbfehlern ist somit auch immer eine Frage der aktuellen tatsächlichen "genetischen Bürde" der Population. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einem "Founder-Effekt". Das heisst dass auch große Populationen, die von einigen wenigen Gründertieren abstammen, immer nur die genetische Varianz haben können, die die Gründertiere hatten. Und wenn die Gründertiere keine Defektgene trugen, dann sind auch in der Folgepopulation keine, die homozygot werden können. Natürlich kann es durch Mutationen zum Entstehen neuer Genvarianten kommen, Mutationen sind aber Zufallsereignisse und können, müssen aber nicht stattfinden.

Und die verminderte Anpassungsfähigkeit homozygoterer Organismen, die auch bei strenger Selektion eine Rolle spielt, kann durch Standardisierung der Umweltbedingungen recht gut kompensiert werden. Auch das ist etwas was m.E.beim Goldhamster eine Rolle spielt und vermutlich auch bei Deinen Schwarzbarschen.

Herzliche Grüße
Irene


Hai Peter...

> Das sind dann aber keine Zwitter. (wie bei vielen Schnecken)

Lesmal, hab ich nie behauptet. Auch nicht bestaedigt. Warum meinst du dass ich mich nicht auf "Zwitter" eingelassen habe ? :-) Weil mir das Fremdwort fuer diese spezielle Vermehrung nicht eingefallen ist. Und auf wirbellose.de war ich zu faul nachzusehen. Das sollte er selber machen. Das hat ja jetzt Reinhard geklaert.

> Was da rauskommt sind Klone.

Ja und.

> Dabei sind die Nachkommen nur viel anfälliger gegen Krankheiten und
> Parasiten. (die genetische Vielfalt geht verloren, was den Plagegeistern das
> Leben erleichtert. Gleiches Problem wie bei Inzucht.)

Das stimmt so nicht. Oder wuerdest du z.B. die Moosbarben als anfaellig und degeneriert bezeichnen ? Heute kann es anders sein. Aber im alten Jahrhundert basierte die gesamte europaeische Population auf Nachzuchten dr etwa 20 Tiere die glaube in den 50er Jahren in die Tschechei kamen.

Es gibt noch Unmengen von Beispielen, die ich aber erst suchen muesste. Die sog. Degeneration wird hier oft viel zu leichtfertig angewendet/als Ausrede benutzt. Da haben schon Bernd u.a. einiges an Aufklaerungsarbeit betrieben.

M.V.


Hi Manfred,

> Es gibt noch Unmengen von Beispielen, die ich aber erst
> suchen muesste. Die sog. Degeneration wird hier oft viel zu
> leichtfertig angewendet/als Ausrede benutzt. Da haben schon
> Bernd u.a. einiges an Aufklaerungsarbeit betrieben.

Ich hab dann wohl zu schnell geschossen. ;)
Bin ja noch klein und lernfähig. :)
Bei Gelegenheit werd ich's mal ergoogeln.

Grüße, Peter


> Warum meinst du dass ich mich nicht auf "Zwitter"
> eingelassen habe ? :-)

Nichtdestotrotz.. hat jemand das schon mal beobachtet. Der Marmorkrebs sitzt zum Glück bei mir direkt an der Scheibe, da ich einen halben Blumentopf ihn zum Schutz gegeben habe. Die eine Seite ist offen, die andere ist direkt an meine Außenscheibe.

Heute morgen war er immer noch am Eierlegen. Das Bündel wurde bis mittag immer größer. Nach dem Legen von einigen Eiern hat der Krebs den Schwanz wieder gerade gemacht, die Eier mit seinen hinteren Beinen anscheinend gewendet und dabei sah es aus, als wenn eine trübe Flüsigkeit ausgestoßen worden ist. Ist leider so duster in meinem Filterbecken ( nur 3 Watt Funzel )und ich habe heute mittag anscheinend nur die letzte Phase mitbekommen. Jedes Licht mit einer Taschenlampe läßt den Marmorkrebs die Flucht ergreifen. Das nächste Mal wird ja wohl dann etwa in 8 Wochen sein, dann rüste ich mich mal mit einer Webkamera und Infrarotbeleuchtung,da der Hauptteil wohl in den Nachtstunden stattfindet. Sowas könnte man ja mal aufzeichnen denke ich.

Jens


> Man glaubt es kaum, aber ein
> Krebs schafft es in etwa 8 Wochen ein 500 Liter Becken in Sachen Pflanzen
> komplett umzugestalten.
> Am liebsten ist ihn hierbei das Schwimmpflanzenspiel. Alles abkneifen was im
> Weg ist und an der Wasseroberfläche treiben lassen.

Meine sind sehr firedlich was das angeht, ich habe 4 ausgewachsene Krebse im Becken (4000 l) aber bisher schwimmen sehr wenige Blätter oben, hin und wieder mal eins. Da müssen die sich aber ranhalten um mein Becken leerzufressen :-) Ich gärtnere so schon jede Woche einen 15-Liter Eimer heraus. In meinem Filterbecken tummeln sich so um die 30 kleine Scherenträger, die kleinen scheinen alle im Filter zu landen und bleiben dann dort weil sie zu groß werden um durch die Stutzen zu entweichen. Da kann ich sie bequem herausfangen. Im Becken selbst habe ich noch keine kleinen gesehen. Insgesamt scheinen sie sich gut und leicht zu vermehren.

Louis