Werden Garnelen bei der Besatzdichte mit berechnet?
Bei der Einschätzung wie viele Fische in ein Aquarium gesetzt werden können, hilft die Faustregel, dass 2 Liter Wasser für je 1 Zentimeter Fischlänge zur Verfügung stehen sollten. Wenn erste Erfahrungen in der Aquaristik vorhanden sind, können auch 1 Liter Wasser je Zentimeter Fischlänge vertretbar sein.
Garnelen aus den Caridina- und Neocaridina-Arten sind teilweise Zweitverwerter bzw. nehmen das Futter, das die anderen Aquarienbewohner übrig lassen. Meistens wird davon ausgegangen, dass diese Garnelen in die Berechnung der Besatzdichte nicht eingehen. Ansonsten müssten auch Schnecken mitgerechnet werden.
Andere Garnelen, z.B. Ringelhandgarnelen werden genau so gezählt wie Fische, weil sie auch genauso viel fressen und genauso viel koten. Bei Ringelhand-Garnelen muss zudem beachtet werden, dass in einem 60 Liter Becken höchstens zwei Männchen und vier Weibchen gehalten werden können. Selbst das Überstehen bis auf Welse kaum andere Fische unbeschadet.
Bei Garnelenarten, die sich leicht und schnell vermehren, besteht das Hauptproblem darin, die vorhandene Wirbellosenpopulation überhaupt richtig einzuschätzen. Zwerggarnelen sind typische Vertreter dieser Arten. Aus 15 Neocaridina denticulata sinensis in einem 60 Liter Aquarium werden in kurzer Zeit 80 Exemplare, die sich weiter vermehren. Wenn das Aquarium dicht bewachsen ist, sind außerhalb der Fütterungszeiten trotzdem nur wenige Tiere zu sehen. Gerade der Nachwuchs zwischen drei und sechs Millimeter Größe ist kaum zu finden.
Die meisten Tiere sind im Dickicht abgetaucht, putzen usw. In einem reinen Garnelenbecken ist deshalb die Aquarieneinrichtung für die Besatzdichte entscheidender, als das Wasservolumen. Laubhaufen, Wurzeln, Javamoos, Hornkrautdschungel usw. sind Grundvoraussetzungen, wenn die Tiere genug Ausweichmöglichkeiten haben sollen.
Wenn aber nicht einmal bekannt ist, wie viele Garnelen im Aquarium sind, sind Berechnungen zur Besatzdichte nicht möglich. Zudem sind 100 Garnelen in einem undurchdringlichen Dschungel etwas anderes als 100 Garnelen in einem kahlen Becken gleicher Größe.
Man kann sich in solchen Fällen nur auf die eigene Beobachtungsgabe verlassen. Nimmt die Population überhand, wird es notgedrungen öfter zu Auseinandersetzungen innerhalb der Art kommen. Dauerhaft sitzen auch Zwerggarnelen nicht gerne zu eng zusammen.
Einen groben Anhaltspunkt gewinnt man, wenn man während der Fütterung einige Fotos macht. Auf den Fotos können zumindest die zur Fütterung erschienenen Garnelen in Ruhe gezählt werden und somit die Gesamtgruppe geschätzt werden.
Einen weiteren Anhaltspunkt gibt die Wassergüte. Wenn der Nitratwert nach oben schnellt, ist der Besatz möglicherweise zu groß. Evtl. wird auch zu viel gefüttert. Zusammen mit der Beobachtung der Tiere ist somit eine Einschätzung der Besatzdichte möglich.
In der Natur leben viele Garnelen im Bereich von Pflanzen in großen Populationen zusammen. Wird ein Fangnetz einmal durch die Pflanzen gezogen, können bis zu 100 Garnelen im Netz gefangen sein. Im freien Wasser sind dagegen kaum Garnelen zu finden.
Viele Garnelen sind demnach eine hohe Poplationsdichte gewohnt und dies bedeutet keinen Stress für diese Garnelen. Voraussetzung ist dabei ein ähnlich dichter Pflanzenwuchs wie in der Natur.
Die Besiedelungsdichte von P. antenarius in den Seegraswiesen im Hafen von Pacengo am Gardasee betrug 772 +/- 397 Individuen pro Quadratmeter.
(Neo)Caridina serrata fand man im Lam Tsuen an einer Stelle mit einer Temperatur im Jahresverlauf zwischen 12 und 27 Grad Celsius, einer Tiefe von <50cm und einer Oberflächenströmungsgeschwindigkeit von 25-60 cm/sec. Das Wasser war weich und leicht sauer (pH 6,8-6,95), silikatreich (ca. 6,13 mg/l), PO4 ca. 0,29 mg/l, NO3 ca. 0,12 mg/l. O2 immer über 8 mg/l. Eine genaue Anzahl an Garnelen/m2 gibt Dudgeon (1985) nicht, aber die Anzahl an gefangener Tiere/Mann/Stunde betrug je nach Jahreszeit/Wassertemperatur zwischen 450 und 2250 Exemplaren.
R.A. Englund macht Angaben zum Habitat von Neocaridina denticulata sinensis auf Hawai: Vorkommen in Fließgewässern,vorwiegend an Stellen mit größerer Strömung (33-52 cm/sec), in Quellgebieten mit klarem , kalten Wasser und wenig Stömung (10cm/sec) sowie in zwei Seen. Vorkommen in hohen Populationszahlen, im Waikele Stream mehrere hundert Exemplare pro Kescherzug! Selten zusammen mit anderen Garnelenarten.
Der begrenzende Faktor für die Anzahl an Garnelen im Aquarium ist somit die Wasserqualität. Wenn diese in einem Becken mit vielen Garnelen stabil gehalten werden kann, sollten im Vergleich zu Fischen hohe Besatzdichten möglich sein. So können durchaus z.B. 100 Zerggarnelen in einem 60 Zentimeter Aquarium gehalten werden.
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