Die Angaben auf diesen Seiten dienen ausschließlich als erste Anhaltspunkte, um bei Beratungsstellen und Tierärzten gesicherte Diagnosen und Behandlungsmethoden zu erfragen. Trotz größter Sorgfalt kann keine Verantwortung für die Richtigkeit von Diagnosen, Behandlungsvorschlägen und Tipps übernommen werden.
Hallo,
bei mir hat sich in den letzten drei Tagen die tragischste Geschichte meines (kurzen) Aquaristiklebens abgespielt. Dieses traurige Erlebnis möchte ich Euch natürlich nicht vorenthalten.
Mit besten Grüßen
Lukas
Vorgeschichte:
Ich habe vor 6 Wochen ein Pärchen Zwergbuntbarsche und ein Pärchen Querband-Streifenhechtlinge gekauft.
Vor 3 Wochen habe ich weiters Zwergschmerlen (Schachbrettschmerle) gekauft.
Alles fing damit an, dass meine Guppies nach Luft schnappten. Die Aquaristikshops meinten, dass es sich hier wohl mehr um das Schnappen nach der "guten" Kahmhaut handle.
Trotzdem sprach alles für Sauerstoffmangel. Nachmessen ergab allerdings, dass mein Aquariumwasser ausreichend mit Sauerstoff angereichert war. Nach weiterem Nachgrübeln und Beobachten dachte ich verstärkt, dass meine Schmetterlingsbuntbarsche so starkes territoriales Verhalten zeigen, dass sie den gesamten Bodenraum für sich beanspruchten. Das stand zwar im Widerspruch zu den Otocinclen und den neun Zwergschmerlen, die sich vorzugsweise in den unteren Regionen aufhielten.
Symptomatik:
- Luftschnappen und etwas schnelle Atmung
- Teilnahmslosigkeit
- weniger Fresslust
- Lähmung, d. h. hängenlassen der Schwanzflosse und wildes Herumrudern ausschließlich mit den Seitenflossen
- Wirbelsäulenverkrümmung
- zum Teil rote wie blutunterlaufene Flecken um die Kiemen
Als erstes traf es vor allem Weibchen kurz vor dem Gebären oder kurz danach. Zu erwähnen wäre noch, dass die Guppies mit weit aufgerissenem Mund und teilweise stark verkrümmt starben. Die Flossen waren in den letzten Tagen meist stark beschädigt (zerfranst). Weiters sei darauf hingewiesen, dass die Symptome von Fisch zu Fisch unterschiedlich waren! Einige Fische starben ohne jedes Anzeichen. Einer meiner letzten Guppies starb ca. eine Stunde nachdem ich ihn noch munter im ganzen Becken herumschwimmen sah.
Nachdem rund die Hälfte meiner Guppies gestorben war und sich schließlich auch die Schmetterlingsbuntbarsche verabschiedeten, entschloss ich mich für einen Besuch beim Tierarzt.
Tierarzt:
Ich habe ein auffälliges (apathisch, kaum Reaktionen) Streifenhecht- und ein Guppymännchen (ohne Auffälligkeiten) in die (Veterinärmedizinische Universität Wien) gebracht. Dort kann man eine Diagnose gegen wenig Geld (13 €; Stand Februar 2006) einholen.
Diagnose:
Capillarien der Familie Nematoden, auf Deutsch: Haarwürmer der Familie Fadenwürmer.
Bei beiden Fischen war bereits die Leber komplett zerstört. Außerdem haben sie noch leichten Befall mit Trichodina () diagnostiziert. Dieser Parasit ist allerdings im Vergleich vollkommen harmlos und kann gut mit z. B. ContraIck behandelt werden.
Laut Herrn Wachtel hat es auf der Vetmed-Uni bisher keine Behandlungen solcher Würmer mit positivem Erfolgsergebnis gegeben. Auf meine Verzweiflung hin hat er mir Levamisol mitgegeben - hat mir aber unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass so eine Behandlung kaum Erfolgschancen hat (Wurde wissenchaftlich mehrfach erprobt. Diese kleinen Biester schwimmen munter in der Lösung herum).
Folgen:
Seine Empfehlung war, alle Fische aussterben zu lassen und alles aus dem Aquarium entsorgen, sowie dann alles gründlich zu reinigen. Weiters alles trocken legen.
Bereits vorgestern sind alle anderen Fische des Aquariums gestorben (GAU = "Größter Anzunehmender Unfall").
Ursache:
Eingeschleppt wurden die Würmer sehr wahrscheinlich durch die Schmetterlingsbuntbarsche. Allerdings möchte ich gleichzeitig erwähnen, dass das Geschäft sicher nichts für den Befall kann. Das Problem liegt viel mehr an den Schmetterlingsbuntbarschen an sich. Diese stammen derzeit beinahe ausnahmslos von asiatischen Massenzüchtungen. Fast immer sind diese Tiere mit Parasiten, Würmern oder Krankheiten verseucht. So kann ein günstiger Buntbarsch sehr leicht zum teuersten Kauf werden.
Nachbetrachtung:
Nun wird also alles neugemacht. Grundreinigung des Aquariums laut Empfehlung der Vetmed mit TB-Lysoform. Weiters habe ich sämtliches Zubehör (Filter, Messinstrumente, Heizstäbe, etc.) mit Lysoform und heißem Wasser gereinigt. Anschließend wurde alles getrocknet.
Bodengrund, Pflanzen und Wurzeln wurden vorweg entsorgt.
Trotzdem war mein erstes halbes Jahr Aquaristik, wenn auch kostenintensiv, so doch schön und lehrreich.
Es macht Sinn, seinen Bestand nur selten zu verändern. Jeder Einfluss aus anderen Becken (egal ob von Privat oder vom Händler) stellt ein erhöhtes Risiko für den gesamten Bestand da.
Daher macht ein Quarantäne bei Bestandsveränderungen Sinn. Die Dauer der Quarantäne ist natürlich diskutabel, wobei 6 Wochen sicherlich vernünftig sind. Allerdings hat Fisch-TBC z. B. eine Inkubationszeit von 6 Monaten. Wenn ein Fisch ca. 2 - 5 Jahre lebt, ist ein halbes Jahr möglicherweise bereits ein viertel seiner Lebenszeit.
Es bleibt also nur der Weg zu Händlern mit guten gesunden Fischen, sowie beobachten, beobachten, beobachten!
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