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Durchflussbrutbecken im Eigenbau für ganz wenig Geld.

In Zeiten, wo sich die Einkommen vermindern, statt erhöhen, kann es für den einen oder anderen schon sein, dass man kein Geld mehr ins Hobby stecken kann. Aber es gibt Möglichkeiten, sich mit ein wenig Geschick viele benötigte Dinge selbst zu machen.

Bei der Vermehrung von eierlegenden Fischen, die oft Laichräuber sind, oder wenn laichfressende Bewohner im Becken sind, hilft ein Brutbehälter. Damit der Brut von Anfang an das gleiche Wasser zur Verfügung steht und sie nicht mehrmals an verschiedene Wasserwerte gewöhnt werden muss, eignet sich dazu ein Durchflussbrutbehälter. Ich habe mir viele Einhängekästen angeschaut und ein paar getestet. Abgesehen davon, dass sie relativ teuer sind, waren sie auch nicht so groß oder hoch, wie ich sie brauchte. Deshalb baute ich mir meine Brutkästen selbst. Ein Beispiel für die Aufzucht der Corydorasbrut für die erste Zeit nach dem Schlupf beschreibe ich hier. Jeder kann es selbst zu hause nachbauen. Man braucht dazu keine Spezialwerkzeuge. Das Material hat man auch in jedem Haushalt oder kann es für wenige Cent kaufen.

Dabei ist es wichtig darauf zu achten, dass, wo möglich, natürliche Baumaterialien, oder wenigstens solche verwendet werden, die keinerlei Schadstoffe an das Aquarienwasser abgeben.

Zuerst braucht man den Korpus des Brutbeckens. Dazu eignen sich Kartoffelsalatschalen aus Kunststoff sehr gut. Diese Schalen mit Deckel, in denen der Kartoffelsalat im Supermarkt verkauft wird, haben etwa ein Volumen von 1 – 1,5 Litern, sind aus für Lebensmittel geeignetem Kunststoff, so dass man keine Bedenken haben muss und sie sind im Preis für den Kartoffelsalat schon inbegriffen. Natürlich kann man auch Krautsalat-, Eiersalat-, oder andere Salatschalen verwenden, wenn die Größe passt. Außerdem brauchen wir ein Kaffee- oder Teesieb, wenn möglich aus Kunststoff oder wenigstens aus Edelstahl, einen Luftschlauch etwa 20 - 40 cm lang und drei oder vier Gummiringe mittlerer Größe. (Anstelle der Gummiringe, deren Weichmacher möglicherweise ins Wasser entzogen werden, so dass der Gummi reißt, kann man auch einen Nylonstrumpf zusammendrehen und als Ersatz zum Binden verwenden.) Den Luftschlauch gibt es in den meisten Baumärkten ab etwa 0,70 €/m.

Nun kommt der heikelste Teil des Bastelns. Die gründlich gereinigte Schüssel muss ein Loch erhalten, durch das Wasser abfließen kann. Es wird so positioniert, dass es etwa drei Zentimeter oberhalb des Schalenbodens seine tiefste Stelle hat. (Das verhindert das völlige Leerlaufen des Brutbeckens bei Wasserwechseln im Aquarium oder wenn es ausläuft.) Dieses Loch wiederum muss mit einem Sieb abgedichtet werden, das so bemessen ist, dass Wasser und winzige Schmutzteilchen durchpassen, aber die Fischlarven drin bleiben. Ich habe für diesen Zweck ein einfaches Kaffeesieb genommen, wie man auf dem Foto sehen kann. Es sieht zwar etwas seltsam aus, tut aber seinen Zweck und war schon vorhanden bzw. kann man es für ein paar Cent kaufen. Das Loch schneidet man, wenn man im Besitz einer Bohrmaschine und eines Lochschneiders ist, damit, oder man nimmt sich ein scharfes Messer und versucht möglichst rund, ohne Zacken (!) zu schneiden. Das Loch soll so groß sein, dass das Sieb etwa bis zur Hälfte oder Zweidrittel von außen, mit der Öffnung von der Schale weg zeigend, hineinpasst. Nicht so groß, dass das Sieb bis an den Rahmen hinein rutscht. Das hat den Grund, dass man, falls man nicht genau rund geschnitten hat, das Sieb durch festes Drücken mit einem harten Gegenstand, an die Form des Loches anpassen kann, so dass keine Fischlarve durch die Lücke zwischen Lochrand und Sieb entwischt. Wenn alles passt, legt man das Sieb zur Seite und macht auf der gegenüberliegenden Seite, etwa ein bis zwei Zentimeter unter dem Rand, ein kleines Loch, durch das ein Luftschläuchlein passt. Es soll so eng sein, dass der Schlauch sich gerade noch hin und her schieben lässt. Wenn das getan ist, sind die „Bauarbeiten“ schon beendet und es kann die Montage der Teile erfolgen. Zuerst kommt das Sieb in sein Loch und wird mit einem oder zwei Gummiringen oder dem Nylonstrumpf, die um die Schale reichen, befestigt. Es muss nicht sehr stark sein, die Fischlarven werden keine Kraft auf das Sieb ausüben, nur so fest, dass das Sieb schön eng am Kunststoffrand des Loches anliegt, damit kein Fisch entwischt. Nun kommt noch eine Umschnürung (Nylon/Gummi) über die um 90° versetzten Seiten. Zwischen diesen und dem überhängenden Rand der Schale schieben wir dann die Träger, die über das Aquarium gelegt werden. Die Umschnürung verhindert, dass das Brutbecken von den Trägern rutscht und in das Aquarium fällt. Dabei ist darauf zu achten, dass das Siebloch zuerst etwa bis zur Hälfte im Wasser hängt, und später, wenn die Brut mehr Wasser braucht, tiefer gelassen werden kann. Das erreicht man am einfachsten, indem man unter die Träger etwas unterlegt, was man nachher entfernen kann.

Nun bringen wir das Brutbecken in das Aquarium, am besten in die Nähe des Filterauslaufs. In den Filterauslauf wird das dünne Luftschläuchlein geschoben. Auf jeden Fall soweit hinein schieben, dass es nicht mehr heraus gespült werden kann. Andernfalls mit einer Klammer o. ä. sichern. Das andere Ende stecken wir in das kleine Loch im Brutbecken. Der Schlauch soll einige Zentimeter aus der Schalenwand ragen und ein paar Zentimeter über der Wasseroberfläche sein. Wenn wir alles richtig gemacht haben, plätschert jetzt ein schwacher Strom frischen, gefilterten Wassers in das Brutbecken und genauso viel durch das Sieb hinaus. Damit ist die Frischwasser- und gleichzeitig auch die Sauerstoffversorgung für die Brut gesichert. Das Brutbecken kann befüttert werden, verschmutzende Ablagerungen lassen sich vom Grund leicht absaugen, wenn sie die Strömung nicht ohnehin schon aus dem Becken getrieben hat. Bernd Posseckert, der mir einige hilfreiche Tipps, für die ich mich an dieser Stelle nochmals herzlich bedanke, zu diesem Artikel gegeben hat, hat in seinem Brutbecken einige kleine Tontöpfchen liegen, die als Versteck und auch als Umleitung für die Strömung dienen. Das funktioniert sehr gut.

Wenn die Fische im Aquarium gelaicht haben, kann man nun die Eier oder die Blätter mit den Eiern einsammeln und in das Brutbecken geben, wo sie sich nach entsprechender Zeit zu Fischlarven entwickeln. Dass man das nur bei Fischen machen soll, die keine Brutpflege betreiben, erwähne ich nur sicherheitshalber.


Brutbecken
Foto: Roland Rieß?


Brutbecken
Foto: Roland Rieß?

Die Fotos zeigen auf einen Blick alle wichtigen Bestandteile des Brutbeckens und ihre Anordnung. Man sieht schön, wie der kleine helle Luftschlauch in den Filterauslass geht. Oben im Brutbecken sieht man ganz wenig Wasser herausfließen. Das ist so gewollt. Die Menge des Wasser ist abhängig vom Höhenunterschied, vom Schlauchquerschnitt und von der Schlauchlänge. Man muss einfach ein wenig experimentieren um die gewünschte Durchflussmenge zu erhalten. (Es ist auch kein Naturgesetz, dass es ein Luftschlauch sein muss! Je nach Wassermenge und Höhenunterschied kann durchaus ein dickerer Schlauch verwendet werden. Bitte vor dem Basteln darüber nachdenken!) Die Anordnung des Kaffeesiebs ist auch deutlich zu erkennen. Als Träger habe ich hier zwei Schaschlikspieße genommen und in die Styroporabdeckung gestochen. (Bei einem offenen Becken nimmt man zwei Bambusstäbchen oder Vergleichbares.) Das andere Ende liegt auf einem armierten Schlauchstück, das keine andere Funktion hat, als die Auflagenhöhe zu bestimmen. Wenn die Brut frei schwimmt und Staubfutter annimmt, werde ich die Auflage entfernen und das Brutbecken tiefer ins Wasser senken.

So, nun wünsche ich viel Vergnügen und Erfolg beim Basteln!

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