Bachbecken
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Bachbecken

Ich bitte Euch um möglichst viele Informationen bezüglich Aufbau und Technik von Bachbecken. Derzeit plane ich ein derartiges Becken für eine Horde Corydoras als Artbecken einzurichten. Die Wasserwerte sind klar und diese werde ich mittels UO-Wasser auch einstellen können.

Vielen Dank schon mal,

Gruß,
Norbert


Hallo Norbert,

ein solches Becken habe ich seit ca. 2-1/2 Jahren in Betrieb. Es hat die Abmessungen 100/25/20. Die Strömung wird mittels einer Powerhead 802 erzeugt. Auf der anderen Seite wird das Wasser in einem Powerheadkorb ohne Filterflies eingesaugt. Der Kob befindet sich direkt unter der Wasseroberfläche. Die Rohrleitung besteht aus den grauen Installations-Pvc-Rohren aus dem Sanitärfachgeschäft. Die passern gut zur Powerhead und es gibt dafür alle möglichen Bögen.

Die Filterung erfolgt über eine ca. 1cm starke Schaumstoffmatte auf ganzer Beckenlänge, die auf einer Glasscheibe mit Silikon aufgeklebt wurde. Diese Glasscheibe ist direkt an die Rückscheibe des Aquariums gelehnt.Das Wasser streicht nun an der Mette vorbei. Die Matte ist fett bewachsen mit Javamoos, Riccia und Utricularia. Man sieht sie nicht. Du wirst häufig Wasserwechsel machen müssen. Sinnvoll ist es deshalb, sich Corys auszusuchen, die mit dem Leitungswasser gut klarkommen.

Der Bodengrund besteht aus Quarzsand mit einzelnen größeren Kieseln. Die Strömung ist heftig (soll sie ja auch sein), aber die Welse freuen sich und spielen darin herum. Man darf sich die Strömung aber nicht als gleichmäßig vorstellen. Aufgrund des Injektorprinzips wird mehr Wasser in Richtung Ansaugkorb gespült,als dort abgesaugt wird. Dadurch kommt es in Mitte des Aquariums zu Gegenströmungen. Der Sand ist dort nicht zu halten. Dann müßte die Schicht schon 10cm oder dicker sein.

Gruß Olaf


Hallo,

wie erklärst du dem Javamos oder Ricca (fluitans??) daß es auf der Matte bleiben und wachsen soll?

Grüße Andreas


ganz einfach. Es wird mit Plastikpiekern in dem Schaumsoff festgesetzt. Nach einiger Zeit hält es dann von alleine. Funktioniert bei Javafarn auch gut.

Gruß Olaf


Hallo Olaf,

dein Bachfilter scheint ganz interessant zu sein. Leider hab ich nicht ganz gerafft, wie das gemeint ist. Das kann aber auch an der Uhrzeit liegen ;-).

Das verstehe ich so, daß das Wasser die Matte nicht durchströmt, sondern an ihr auf einer Länge von 1 Meter entlangströmt. Oder?

Viele recht müde Grüsse
Helmut


hehe, das war der Schlaftest :-)

Hallo Helmut,

ja. Der Mattenfilter würde zuwenig Wasser durchlassen und die Pumpe augenblicklich Luft ziehen. Das habe ich an meinem "Zweitbach" probiert. Jetzt hat dieser nicht mal mehr eine Filtermatte, sondern eine 2/3-Füllung aus Riccia. Das Becken ist megastabil. Daran betreibe ich auch meine Computersteuerung. Wenn man den Mattenfilter im Bypaß betreiben würde, wäre es was anderes, klar, nur den Platz habe ich in den Becken nicht. Man müßte das Becken tiefer machen (mehr Grundfläche) und dann einen Teil des Wassers nach hinten durch die Matte rausziehen. Ginge wohl auch.

Das problem bei einem Bachbecken ist aber weniger die Filterung, sondern mehr der Düseneffekt. Der verhindert eine gleichmäßig Strömung und damit den eigentliche Bacheffekt, den man haben will. Es kommt immer zu Rückströmungen im Aquarium.

Gruß Olaf


Hi Olaf,

das hat mich damals auch bei meinem Aquaterrarium immer gestört. Nun weiss ich wenigstens den Namen des Problems. :-)

Gruss Hans


Danke,

wieder was gelernt.

> hehe, das war der Schlaftest :-)

Tscha, und als ich hundemüde Richtung Bett getrottet bin, hab ich gemerkt, daß mein knapp 14-jähriger Sohn mit einem Freund, der heute bei uns genächtigt hat, noch quitschfidel vor dem Computer gesessen und sich der Angriffe irgendwelcher Raumschiffe erwehrt hat.

Und so sehen wir heute auch alle aus......

Viele immer noch müde Grüsse
Helmut


Hallo Olaf, hallo Ihr anderen,

geistig habe ich mich auch schon mal mit dem Aufbau eines BachAQ's beschäftig. Als Anreitz diente mir der Beitrag von Olaf auf seiner alten Homepage.

Mein gedanklicher Schwerpunkt lag dabei auf der Verminderung der Sekundärströmung. Zu diesem Thema befragte ich bei meinem Studentenbrötchengeber den Chef-Hydrauliker und an der Uni einen Assistenten. Der Lösungsansatz war folgender:

Um eine parallele Strömung zu erreichen wird Wasser im Wasserbau durch Lamellen oder viele kurze,nebeneinanderliegende Tonröhren geführt. Im AQ könnte man das evtl. durch Plexiglasscheiben in die man Löcher bohrt umsetzten. Diese Scheiben werden an den jeweiligen Enden im AQ fixiert und in dem entstehenden kleinen Raum das Wasser eingeleitet bzw. abgesaugt. Um den Zerstreuungseffekt zu vergrößern kann man auf der Einlaßseite noch ein nicht allzu dichtes Fließ anbringen.

Skizze: (Draufsicht)

___________________________________ I X X I X X I X X I X X I X X I X X ___________________________________ ^Plexiglas mit Löchern

Leider ist das ein theoretischer Aufbau und es gibt noch keine Erfahrungswerte. Da ich kurz vor meiner Diplomarbeit stehe, werde ich in der nächsten Zeit (1/2 Jahr) auch nicht dazu kommen, damit zu experimentieren.

Machts gut
Jörg


Hallo Jörg,

frag' Deine Leute mal, ob das auch bei turbulenter Strömung funzt. Es würde mich nich wundern, wenn's nur bei laminarer Strömung so hinhaut. Doch gerade die turbulente Strömung wäre ja für einen Bach von Interesse.

und immer daran denken : Auch auf Dauer entgeht niemand dem Diplom !

<g>

Gruß Olaf


Hi Olaf,

Da man im Allgemeinen nicht von einer laminaren Strömung ausgehen kann, war in den Aussagen der Befragten schon impliziert, daß es sich um turbulente Vorgänge handelt.

Die schon angesprochenen Lamellen oder Tonröhren dienen dazu die gößten Turbulenzen zu glätten.Da sie aber wiederum eine Störung des Systems bedeuten, würden sie eine laminare Strömung in ziemliche Unruhe bringen. Das ganze beruht auf den Strömungsgeschwindigkeits- und Querschnittsänderungen an den Kanten der eingebrachten Hindernisse (die Reynoldszahl (die besagt ob laminar oder turbulent) ist direkt abhängig von der Geschw. und der Querschnittsgeometrie, sofern die Viskosität gleich bleibt).

Gruß Jörg


Der Vorschlag mit der Plexiglasscheibe mit Löchern ist ja ganz gut. Ich würde aber einfach an der Einlaßseite und an der Auslaßseite eine grobe Schaumstoffmatte (wie sie auch beim Mattenfilter genommen wird) über den ganzen Beckenquerschnitt spannen. Das müßte dann eine ziemlich gleichmäßige Strömung über den Beckenquerschnitt ergeben.

Gruß Curt


Hallo,

Das mit der Matte könnte auch funktionieren. Allerdings kann es sein, daß die Matte zu Dicht ist, und Du auf der Einlaßseite einen erhöten und auf der Ansaugseite einen erniedrigten Wasserspiegel bekommst. Bei der Plexiglasscheibe hat man den Vorteil, man kann die Strömungsverteilung durch die Größe und die Dichte der Bohrungen aktiv beeinflussen. Sinn der Scheibe auf der Druckseite ist der, den konzentrierten Strahl, der aus dem Rohr kommt möglichst gleichmäßig zu verteilen. Je nachdem, wohin man das Einlaßrohr steckt,strömt dort auch mehr Wasser durch die Matte. Bei der Scheibe macht man einfach die Löcher kleiner oder setzt sie weiter auseinander, schon kommt an der Stelle weniger heraus.

Auf der Ansaugseite sieht die Sache so aus, daß mittig viel Wasser strömt und am Rand wenig. Es ist zu befürchten (die Erfahrungen von Olaf habens auch gezeigt), daß das wenige Wasser am Rand nicht in das Ansaugrohr gesaugt wird und einfach am Rand wieder zurückströmt. Auch hier kann es Vorteilhaft sein die Löcher in der Scheibe diesen Gegebenheiten anzupassen: Am Rand größere und in der Mitte kleinere Löcher. Da aber das Ansaugen generell nicht konzentriert aus einer Richtung erfolgt, sondern weitgefächert,kann die Matte evtl. auch reichen.

Gruß Jörg


Hallo Jörg,

wie ich aus Deiner Homepage erkenne, bist Du also Fachmann für diese Thematik. Sehr gut :-) Frage: Welche Strömungsgeschwindigkeiten hat denn so Pi*Daumen ein mittlerer Bach Daraus ließe sich ja bei bekanntem Aquarienquerschnitt die angemessene Pumpenleistung ermitteln, wenn man die Strömung durch Tonröhrchen so ziemlich auf ganzer Querschnittsbreite einigermaßen gleichmäßig einbringt. Ich will da keine Wissenschaft daraus machen, aber meine Erfahrung ist die, daß man durch kleine Zahlenspielchen schneller zu einem Ergebnis kommt, als durch großartige Versuche. Es spart Zeit und Geld.

Gruß Olaf


Hi Olaf und andere Interessierte,

Zur Ermittlung der Strömungsgeschwindigkeit sind div. Annahmen zu treffen, damit die Formeln greifen. Selbst dann hat man noch Probleme, da die vorhandenen Formeln bisher nur Modelle sind und noch nicht ausgereift. Wenn ich ein wenig Zeit finde werde ich mal die Formeln zusammentragen und auf meine Hompage stellen, vielleicht sogar mit JavaScript, zum Online-Berechnen :-).

Mit ein wenig noch mehr Zeit setz ich mich mal in die Bibi und stöber mal in den Gewässerkundlichen Jahrbüchern, was da zu den deutschen Bächen so drin steht (meist leider nur der Durchfluß, den man mit den entsprechenden Formeln und Annahmen in die Geschwindigkeit umrechnen muß).

Gruß Jörg


Hallo Olaf,

hmm, Messwerte direkt aus Fischtreppen hab ich tonnenweise rumliegen, aber ein mittlerer Bach? Btw, ist das sowas wie ein kleiner Fluss? :-) Egal, ich versuche mich an alte Probemessungen zu erinnern: Wenn Du deine Fische nicht im Dauer-Training halten willst, dann wären ca. 0,1-0,2 m/s (eher bisschen weniger) schon ok. Höher würd ich nur gehen, wenn's denn ein Stromschnellen-Becken sein soll. Das ist jetzt sicher langsamer als in Deinem Bachbecken, aber es ging ja um den mittleren Bach.

Gruss Martin


Hallo Olaf,

>ja. Der Mattenfilter würde zuwenig Wasser durchlassen und die Pumpe
>augenblicklich Luft ziehen. Das habe ich an meinem "Zweitbach"
>probiert. Jetzt hat dieser nicht mal mehr eine Filtermatte, sondern
>eine 2/3-Füllung aus Riccia. Das Becken ist megastabil. Daran betreibe

Habe ich das richtig verstanden : 2/3 des AQ-Volumens mit Riccia ausgefüllt (aufgebunden oder frei schwimmend ?) ? Deshalb wenig Fische und deshalb ist kein 'Filter' nötig ??

Gruß
Dirk


Hallo Dirk,

das hat sich im Laufe der Zeit so ergeben. Eigentlich sollte es ein Bachbecken werden. Ging nicht wg. besagter Schwierigkeiten. Da das Becken breit genug ist, habe ich in die Mitte eine längliche Wurzel gelegt und größere Kiesel. Wasserstand ca. 10 cm. Es ergab sich eine umlaufende Strömung im Becken. Einen Eheimfitler hatte ich als Bypaß angeschlossen, da eine Matte den Wasserumsatz einer Powerhead 802 nicht wuppt,schon gar nicht bei 10 cm Wasserstand. Darin turnten nun die Panzerwelse rum und vermehrten sich auch fleißig.Dann wuchs der Kram auf der hinteren Hälfte mit Javamoos und Riccia mehr und mehr dicht. Das sieht sogar gut aus,weil man von oben in der Aquarium reinschaut und man den Eindruck hat, man schan den Rand eines Baches. Die Ricciaschicht wird leicht überspült und wächst sogar die Wurzel hoch, da diese aus dem Wasser ragt. In der Riccia kommen immer wieder von selbst einige Hechtlinge hoch. Nach einiger Zeit konnte ich den Eheimwegnehmen. Das Becken ist absolut stabil und durch nichts mehr aus der Ruhe zu bringen. Wichtig ist nur, daß man eine kräftige Strömung hat, die Teile des Wassers durch das pflanzliche Dickicht schiebt. Darin wird dann genauso bakteriell gefiltert, wie in einer Matte auch.

Gruß Olaf


Hallo Olaf,

das hört sich toll an. In einer meiner AQ werde ich das Prinzip mal nachbauen.

Schönes Wochenende
Dirk


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27.11.2007 - 13:34  

Armin

Zu stark?

Hallo,

Habe ein Bachbecken mit ca 0,4m/s mit Eigenbau Pumpe gebaut (200x20x15 bewegtes Wasser). Ist die Strömung etwa zu stark? Habe noch keine Fische drin ist noch im Versuchsstadium.

gruss Armin

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Anmerkungen zu dieser Seite bis Oktober 2007
Peter 87.163.48.xxx03.07.2007 14:31 Uhr [X]
Hallo Zusammen,

um eine einigermaßen gleichmäßige Strömung ohne Rücklaufströmung im Querschnitt zu erzielen war es die einfachste Lösung den Rücklauf sozusagen in den Bachlauf zu integrieren.
Dazu habe ich ein langes, flaches aber tiefes Becken der Länge nach in der Mitte abgetrennt und an beiden Seiten eine Strömungsverbindung beider Kanäle von etwa Kanalquerschnitt berücksichtigt. Das Becken dient als Raumteiler.

Die Daten Länge 1,54m, Höhe 35cm, Tiefe 45cm, Trennung über eine 1m lange Scheibe (beklebt, Kanten mit Holz verkleidet), Pumpleistung aus Eheim 2213 und Turbelle 6045 etwa 5000l/h. Die Strömungsgeschwindigkeit beträgt etwa 12,5cm/s. Bei einem Strömungsquerschnitt von ~600cm^2 ergeben sich 27.000l/h Umwälzung.
Beide Pumpen strömen von derselben Seite in Längsrichtung aus. Die Strömung erfolgt im ersten Drittel turbulent und punktuell und verändert sich bis zum Rücklauf zu einer annähernd laminaren Strömung.
Meine Empfehlung für einen "idealeren" Aufbau wäre flacher, breiter, länger und mehr Pumpleistung einzusetzen, beispielsweise 60-70cm Tiefe, 2-2,2m Beckenlänge, Abtrennung über 1,3-1,5m, Wasserstand 15cm, 2x 6045 oder ähnliche.

Grüße Peter
Seite wurde zuletzt am 21.06.2010 11:13 Uhr geändert
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