Von Anfang an düngen - ja oder nein?
Ein neues Aquarium muss zunächst eingefahren werden. In dieser Zeit sind schon Pflanzen im Aquarium, aber noch keine Fische. Daraus ergibt sich die Frage, ob während der Einfahrzeit gedüngt werden soll oder muss.
Pro-Argumente
- Die frisch eingesetzten Pflanzen benötigen Nährstoffe zum Wachstum.
- Gerade nach Zugabe von Dünger gehen die Algen zurück, weil die Pflanzen besser wachsen.
Kontra-Argumente
- Die frisch eingesetzten Pflanzen müssen sich zunächst akklimatisieren und können den Dünger in dieser Zeit deshalb noch nicht verwerten.
- Der zusätzliche Dünger kommt überwiegend oder sogar ausschließlich den Algen zu gute.
- Ohne Düngung nehmen die Pflanzen den Algen die wenigen vorhandenen Nährstoffe weg, so dass kein übermäßiger Algenwuchs entsteht.
Ob gedüngt wird oder nicht, ist nicht von bestimmten Zeitpunkten abhängig, sondern muss nach den Bedürfnissen der Pflanzen beantwortet werden. Im neu eingerichteten Aquarium müssen sich auch Pflanzen zunächst eingewöhnen. Neu gekaufte Pflanzen sind meistens über Wasser gezüchtet und müssen sich sogar erst an das Leben unter Wasser gewöhnen. Bei diesen Pflanzen sterben in der Anfangszeit die Überwasserblätter ab, während parallel Unterwasserblätter nachwachsen. Pflanzen die aus anderen Aquarien übernommen werden, sind schon an das Leben unter Wasser gewöhnt und haben bereits Unterwasserblätter gebildet. Entsprechend einfacher und kürzer ist die Gewöhnung an ein neues Aquarium. Schon die unterschiedliche Herkunft der Pflanzen schließt also eine pauschale Antwort aus. Dazu kommt, dass in Aquarien auch ohne Zugabe von Dünger Nährstoffe vorhanden sind, die teilweise schon im Leitungswasser sind, teilweise durch den Stoffwechsel im Aquarium erzeugt werden. Die Nährstoffmenge ist damit vom Ausgangswasser und vom Stoffwechsel abhängig. Beides kann für unterschiedliche Aquarien höchst unterschiedlich sein.
Die Frage der Düngerzugabe wird also sinnvollerweise am Düngebedürfnis der Pflanzen festgemacht. Einerseits müssen die Pflanzen so viele Nährstoffe erhalten, dass sie gesund wachsen. Andererseits dürfen nicht mehr Nährstoffe im Aquarium sein, als die Pflanzen verbrauchen. Zusätzlich müssen alle Nährstoffe in einem ausgewogenen Verhältnis stehen, damit es nicht an einigen Nährstoffen mangelt, während andere im Überfluss vorhanden sind. Überschüssige Nährstoffe, d. h. Nährstoffe, die nicht von den Pflanzen verbraucht werden, werden von den Algen aufgenommen, die sich dann entsprechend vermehren.
Nach Einrichtung des Beckens wird zunächst nicht gedüngt. Nach relativ kurzer Zeit bekommen die eingesetzten Pflanzen erste neue Blätter. Wenn sich einige neue Blätter gebildet haben, können bei neu gekauften Pflanzen die Überwasserblätter nach und nach entfernt, d. h. abgeschnitten werden. Sie sterben sowieso ab und belasten höchstens das Wasser. Es sollten aber nicht alle alten Blätter gleichzeitig entfernt werden.
Die Farbe neuer Blätter ist zunächst hellgrün. Werden die Blätter größer, wird daraus bei gut ernährten Pflanzen ein kräftiges sattes Grün. So lange die Pflanzen im Aquarium so gesund aussehen, muss nicht gedüngt werden. Dabei muss berücksichtigt werden, dass es auch Pflanzen gibt, deren ausgewachsene Blätter hellgrün oder auch rot sind. Anfänger sollten sich deshalb möglichst ein Bild über die gesunden Unterwasserformen der gepflegten Pflanzen machen.
Erst wenn sich Anzeichen einstellen, dass ein Nährstoffmangel vorliegt, muss gedüngt werden. Dabei sollte zunächst mit kleinen Düngermengen begonnen werden. Eine grobe Faustregel ist, ein Drittel oder höchstens die Hälfte der Dosis zu verwenden, die vom Hersteller des Düngemittels empfohlen wird. Als Anzeichen von Nährstoffmangel gelten je nach Pflanzenart sehr schmale, dünne oder fahle Blätter. Gelblich fahle Blätter sind häufig ein Hinweis auf Eisenmangel. Dann kann auch mit einem reinen Eisendünger nachgedüngt werden. Auch hier sollte man nur mit einer geringen Menge anfangen. Aquaristikanfänger greifen bei fahlen Blättern besser zu so genannten Volldüngern, da reine Eisendünger andere Nährstoffe, z. B.Mangan, verdrängen können. Aufgrund der Abbauprozesse im Filter kann sich Eisen dort auch ansammeln. Das Eisen wird dann entweder später bei einer Filterreinigung nutzlos ausgewaschen oder es kommt unkontrolliert und in zu hohen Mengen wieder in das Aquarienwasser und führt evtl. zu einer Algenplage.
Nach Zugabe des Düngers muss durch Beobachtung des Pflanzen- und Algenwuchses ermittelt werden, welche Düngermenge für das jeweilige Aquarium geeignet ist. Kümmern die Pflanzen weiterhin, wird die Düngermenge vorsichtig erhöht. Vermehren sich Algen, wird die Düngermenge vorsichtig reduziert. Nach einiger Zeit entsteht so ein Gefühl für die Düngermenge, die gesunde und kräftige Pflanzen ermöglicht, Algen aber nicht zur Plage werden lässt.
Bevor dieses Gleichgewicht erreicht ist, kommt es in den meisten neuen Aquarium zu einer starken Algenvermehrung. Algen reagieren auf Umweltveränderungen oft schneller als Pflanzen und haben darum zunächst einen Entwicklungsvorsprung. In der Regel gehen die Algen nach einiger Zeit wieder zurück, wenn die Pflanzen den Vorsprung aufgeholt haben.
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